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Foto: Pawel Sosnowski
 

SCHAUSPIEL: »Eine Sommernacht« - Marcel Pochanke - Sächsische Zeitung

Bloß keine Liebesgeschichte!

„Eine Sommernacht“ am Zittauer Theater ist als kluge, begeisternd gespielte Komödie viel mehr als ein Geheimtipp.


Der Schotte David Greig ist ein vielseitiger, mit Preisen bedachter Theaterautor. Er holt griechische Tragödien in die Gegenwart, er befasst sich mit Europa, Weltkrisen und sozialen Utopien. Eine Liebeskomödie mit Musik ist allerdings auch dabei. Draußen hat es minus zehn Grad, Donald Trump wird soeben ins Amt eingeführt und am Zittauer Theater hat ausgerechnet diese, „Eine Sommernacht“, Premiere. Ja geht es noch?

Zwei verkrachte Gestalten, die sich über den Weg laufen und Sex haben, zu dem es „kommen muss“, dazu das Versprechen, einander nicht wiederzusehen, dann aber doch die erneute Begegnung – zu Hilfe, das schmiert, das kennen wir doch, das trieft vor Klischees. Wer all das nun milde lächelnd zusammenzählte und auf den Besuch im Zittauer Theater verzichtete, unterlag einem Trugschluss. Greig schafft eine eigene Welt aus klugen Einwänden und Doppelböden, die über das Augenscheinliche erhaben ist. Er setzt seine Geschichte dort an, wo Liebe und all das Drumherum vor allem stattfindet: Im Kopf der Beteiligten. Was zu sagen wäre, was keinesfalls gesagt werden darf, was man(n) seinem kleinen Freund im Schritt schon immer sagen wollte, wie der kontert, wie eine Frau mit möglichem entstehenden Leben in ihr ins Zwiegespräch geht – die Aufzählung dessen, was der Dramatiker wie nebenbei in sein kleines Meisterwerk einbaut, ließe sich fortführen. Wie aus Wollen und Sagen Wirklichkeit wird, das zielt bei Greig weit über die recht banale Geschichte hinaus, die das Programm verspricht.

Der Zittauer Regisseur Stephan Bestier setzt diese Kleinode famos in Szene, macht dabei aus dem knappen Budget eine Tugend und verzichtet auf allen Schnickschnack: Die Mittel stecken vor allem in der Bühne, die ebenfalls Bestier verantwortet. Ein Steg aus Pressholzplatten wird spärlich, aber akkurat von Plastik-Grasbü-scheln umsäumt, der Do-it-Yourself Charme passt zu den Figuren, die ihr Leben wer weiß wohin lenken müssen – vom Lieben ganz zu schweigen. Also besser nicht.Schon gar nicht den jeweils anderen.

Der Kleinkriminelle Bob, den Marc Schützenhofer mit begeisternder Spiellust gibt, weiß genug vom Dasein, um es mit einer wie Helena nicht dauerhaft aufzunehmen. Der verleiht Maria Weber eine feine Rastlosigkeit und damit eine Attraktivität, für die ihre über Lebensfallen stolpernde Figur gar nichts kann. Das Premierenpublikum am Freitag feierte beide im Stehen, minutenlang. Weber und Schützenhofer, so war zu hören, hatten in den Proben unheimliche Freude am Zusammenspiel und sich Ausprobieren. Stephan Bestier ließ ihnen viel schöpferischen Raum, ohne dass ihm darüber das Stück entglitten wäre. Man kennt sich aus dem Zittauer Ensemble, dem Bestier seit sieben Jahren als Schauspieler angehört. Seine Regiehandschrift zeugt vom Vertrauen auf das gesprochene Wort. Bei den Liedern aus der Feder von Gordon McIntyre, die Philipp Gräf am Keyboard behutsam begleitet, setzte er den Rotstift an. Vor allem Wiederholungen wurden gestrichen, andere Songs klingen nur an. Die verbliebenen Nummern bilden keine blitzende Revue. Vielmehr erlauben sie kurze Einblicke in Möglichkeiten, sich zu fühlen, vor denen unsere Protagonisten im selben Moment erschrecken. Sie möchten die Geschichte, die hier entsteht, ja lieber nicht erzählen. Keine Liebesgeschichte! Für einen Moment, beim gemeinsamen Lied „There’s only Inches between us“, las sen sie das Katz- und Maus-Spiel bleiben. Und schwupps, fällt die Spannung. Lässt sich Liebe auf der Bühne wahlweise nur als Komödie oder Tragödie darstellen? Der Verdacht liegt nahe, und David Greig nährt ihn nach Kräften. Eine Tragödie bleibt in der „Sommernacht“ aus, wenngleich Bobs wenig kompromissbereiter Boss ihm wegen der gemeinsam durchgebrachten 15000 Pfund auf den Fersen ist. Ende offen.

Der englische Guardian rätselte beim Erscheinen der Komödie, warum David Greig sie „Schauspiel mit Musik“ genannt hat, und nicht etwa Musical. Weil er besser sein will, weil er besser ist als das, was man von Musicals landläufig erwartet, schlussfolgerte das renommierte Blatt. Dem schließen wir uns an.

Marcel Pochanke
Sächsische Zeitung
23.01.2017

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