Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau GHT | Musiktheater | Schauspiel | Tanz | Neue Lausitzer Philharmonie... - Rezensionen

Rezensionen


SCHAUSPIEL: »Meisterklasse« - Jens Daniel Schubert - Sächsische Zeitung

Lehren aus dem Leben für die Bühne
Sie war eine Diva: Maria Callas. In Zittau kann man jetzt einen Blick in ihre Meisterklasse werfen.


Maria Callas war eine faszinierende Frau, große Künstlerin, Diva, Star. Eine Hommage an die Ausnahmesängerin ist seit dem Wochenende in Zittau zu erleben. In Terrence McNallys Stück »Meisterklasse« ist Grit Stephan die Callas, zeigt die Maske der fanatischen Künstlerin und die verletzliche, verletzte Frau dahinter. Sie stellt die Allüren ihrer Figur bloß, ohne auf der anderen Seite den Menschen der Lächerlichkeit preiszugeben. Diese Hommage erinnert an eine große, bewunderswerte Frau, ohne sie mit einer Gloriole der Unfehlbarkeit zu umgeben.

„Meisterklasse“ greift eine biografische Randglosse der Callas auf. Tatsächlich hatte sie 1971/1972, also schon Jahre nach ihrem Bühnenabschied, 12 Wochen Meisterkurse in New York gegeben. Stückautor Terrence McNally, bekannt zum Beispiel durch „Der Kuss der Spinnenfrau“, hat das miterlebt. Mitte der Neunziger montierte er sein Stück aus überlieferten und fiktiven Callas-Texten. Dabei ist die Grenze zwischen einem Bühnenvortrag im Rahmen der Meisterklasse und intimer Selbstreflexion, die sie nie einem solchen Rahmen preisgegeben hätte, fließend. Regisseur Michael Sturm fokussiert die Geschichte ganz auf die Callas. Die auftretenden Nachwuchssänger provozieren sie nicht zu einem ungleichen Konkurrenzkampf. Seine Diva ist keine alternde Sängerin auf dem absteigenden Ast, die sich gegen die verheißungsvolle Jugend stellt. Die Maria der Grit Stephan ruht in sich, bleibt im nachdenklichen, betrachtenden Gestus, dreht sich ganz um sich selbst. Sie gibt Erkenntnisse aus ihrem Leben, aus ihrer Berufserfahrung zum Besten. Sie zeigt eine Frau, die gekämpft hat, die sich durchgebissen hat mit Akribie, Fleiß und Selbstbeherrschung, mit einer fast krankhaften Disziplin und Perfektionismus. Die Frau, die sich zu einsamer Größe hochgearbeitet hat. In den wenigen Momenten ohne Partner auf der Bühne zeigt sie auch das Verlassen-Sein dieser Frau, ihre Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, ihren Wunsch, sich an einen Großen zu lehnen, klein sein zu dürfen. Doch die Erfahrung, dabei zu fallen und hart aufzuschlagen, ist bitter.

So wird der konsequent durchgezogene Anspruch zum rücksichtslosen Egoismus. Fesselnd zeigt die Schauspielerin, wie aus dem Erfolg ein Höhenflug und aus dem Höhenflug eine brutale Landung wird. Stefan Rieckhoff hat den Zuschauerraum des Theaters auf der Bühne fortgesetzt: ein freier Platz, der Flügel, der erhöhte Stuhl samt erbetenem Fußschemel, ein Beistelltisch, das ist alles. Doch bricht in die klare Unterrichtssituaiton immer wieder die Theatralik der Diva ein, der rote Vorhang, eine Projektion des Zuschauerraums der großen Oper, zum Schluss die Weite des Sternenhimmels. Der Regisseur erweist sich als Musiktheaterfachmann, wenn er die Szenen verschränkt, wenn die Schülerin endlich zum Singen kommt und die Diva zum Schwärmen, wenn sie von den Emotionen gepackt den Zuschauer mitreißt. Drei Schüler und der Pianist sind die Partner der Callas. Tobias Kruse am Klavier, zurückhaltend, aber zuverlässig, ist der bodenständige Kontrast zur Diva. Als Studenten sind die Görlitzer Sänger Audrey Larose Zicat, Yvonne Reich und Jan Novotny zu erleben. Ihre kleinen Auftritte sind genau beobachtet und gespielt, sie werden zu Typen, die ganz unterschiedlich mit dem umgehen, was die angehimmelte, große Frau ihnen sagt oder auch nicht. Ganz nebenbei wird so ein Stück über das Selbstverständnis von Künstlern erzählt, von Karriereträumen, Selbstverwirklichung und Opfermythos. Und wenn Maria zum Schluss zum Originalgesang der Callas in den Sternenhimmel geht, hindruch zwischen biederen Stehlampen und prunkvollen Theaterlüstern, dann ist die Hommage schon fast im Sakralen angekommen.

Allerdings schließt sich die Bühne wieder, es bleiben der Probenraum und ein Strauß weißer Rosen. Ein stilles Gedenken. Und dann stürmischer Applaus für eine beeindruckende Schauspielerin, ein überzeugendes Ensemble und eine packende, schlüssige Inszenierung.

(Jens Daniel Schubert, Sächsische Zeitung, 17.02.2014)

Neue Kassenöffnungszeiten

 
Ab 1. Dezember 2016 öffnen die Theaterkassen an beiden Standorten zu denselben, angepassten Öffnungszeiten:

Dienstag bis Freitag 10:00-18:00 Uhr
Samstag 10:00-12:30 Uhr


Gern sind wir somit länger mit gewohnt gutem Service für Sie da.

Download

 
Das neue Spielzeitheft, unsere aktuellen Spielpläne und die Theaterzeitung GerHarT finden Sie hier
Downloads

Kartenkauf auf Rechnung

 
Für den Kartenkauf auf Rechnung nutzen Sie bitte im Spielplan den Button »RESERVIERUNG«.
Unsere Partner: