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Foto: Pawel Sosnowski

SCHAUSPIEL: »Der Pantoffel-Panther« - Rainer Könen - Sächsische Zeitung

Wenn aus dem Riesenhuhn ein Killer werden soll
Im Zittauer Theater erntete die Premiere der Boulevardkomödie „Der Pantoffel-Panther“ stürmischen Beifall.


Hasso Krause hat ein Problem. Er hat seinen Job als Vertreter für elegante italienische Leder-Pantoffeln verloren, seine Schulden sind auf eine halbe Million Euro angewachsen. Mahnungen und Pfändungsbescheide stapeln sich im Keller. Seine Gattin Röschen hat von all dem keine Ahnung. Denn aus Scham hat Hasso ihr vorgegaukelt, arbeiten zu gehen. Ihren Hang zu Champagner und Luxus-Klamotten kann er nicht stoppen. Während Röschen von einem luxuriösen Leben im Ruhestand träumt, versucht Krause mit einem skurrilen Hilfsjob Geld zu verdienen. Er macht „in Hähnchen“, wirbt als Riesenhuhn verkleidet für einen örtlichen Hähnchengrill. In dieser fast aussichtslosen Situation taucht der Italiener Luigi auf, der Hasso für den legendären Auftragskiller „Der Panther“ hält und ihm einen gut bezahlten Job anbietet. Zwei Millionen Euro soll Hasso kassieren, wenn er den Mafioso „Das Mammut“ tötet. Klar, dass dieses Angebot Hasso hellhörig macht und er seinen Nachbarn Rüdiger als Komplizen ein spannt.

Und so nimmt in dem Stück „Der Pantoffel-Panther“ das Chaos an diesem Premierenabend im Zittauer Theater seinen Lauf. Regisseur Axel Stöcker hat das Werk des Autoren-Duos Dietmar Jacobs und Lars Albaum fürs Gerhard-Hauptmann-Theater turbulent in Szene gesetzt. Da wird so ziemlich alles geboten, was klassisches Boulevardtheater ausmacht. Regnen Witze und Pointen wie Konfetti aufs Publikum herab, gibt es die übliche Verwirrungs- und Situationskomik. Dramaturg Gerhard Herfeldt hat die im März dieses Jahres in Bonn uraufgeführte Komödie dazu noch mit viel Lokalkolorit versehen. Das Resultat: Ein Stück, das famoses Schauspielfutter enthält – vor allem für den von Tilo Werner verkörperten Hasso Krause.

Die Oberlausitz spielt mit Vier Boulevardkomödien haben die beiden renommierten Kabarettautoren geschrieben, die mit dem Adolf-Grimme-Fernsehpreis für ihre Mitarbeit bei der Serie „Stromberg“ ausgezeichnet wurden. Mit anderen Worten: die Herren Albaum und Jacobs sind Experten in Sachen Klamauk, wissen, wie eine Boulevardkomödie funktioniert.

Dass die Handlung dieser Komödie in Zittau, in der Region spielt, macht dieses flotte Stück für die Zuschauer griffiger. Wenn Löbau, Hirschfelde oder Eichgraben ins komödiantische Spiel aufgenommen werden, kann man sich in die Nöte der Figuren gleich noch besser einfühlen. So haarsträubend die Story und ihre voraus schaubaren Verstrickungen und Verwechslungen auch sind: Tilo Werner macht aus allem etwas, kitzelt selbst noch aus den verstaubtesten Klischees Pointen heraus. Als er vor der Mafia fliehen will, „an einen Ort fernab der Zivilisation“, fragt ihn Freund Rüdiger, warum er denn ausgerechnet nach Niesky wolle. Tosendes Gelächter im Saal.

Haben die Darsteller anfangs noch etwas Mühe mit den temporeichen Dialogen und der Weite des Bühnenbildes – einem großen Wohnzimmer –, nimmt die Inszenierung nach einer halben Stunde Fahrt auf. Man könnte auch sagen, von dem Moment an, an dem die Mafia in Gestalt von Luigi auf den Plan tritt. Von da an wird der Abend schwungvoll.

Als Krause von Luigi das Angebot bekommt, das Mammut zu beseitigen, taucht sie sofort auf, die Frage, wie aus einem um die Existenz ringenden Pantoffelhelden ein eiskalter Killer werden soll. Denn Mammut ist ja nicht irgendwer, sondern eine echte Mafiagröße. Luigi, von David Thomas Pawlak dargestellt, gibt den halbseidenen Typen aus diesem Milieu. Es gibt Anleihen beim Filmklassiker „Der Pate“; köstlich zu sehen, wie Krause in einer Szene den Paten mimt.

Der Rhythmus dieses Premierenabends changiert zwischen Irrsinn und Innehalten. Selbst die wenig überraschenden Momente verwandelt Tilo Werner noch in einen Knüller. Hinzu kommen die Momente, in denen er das Publikum direkt anspricht und zum Komplizen in dem mörderischen Spaß macht.

Seine Mitspieler geben sich an diesem Abend wacker. Sein Nachbar Rüdiger, formidabel gespielt von Marc Schützenhofer, Sabine Krug als naives Röschen, die erst am Ende die ganze Situation durchschaut, geht zu Werners Überraschung ganz pragmatisch mit der Wahrheit seines Daseins um. Stephan Bestier als Raumausstatter Milan sowie Martha Pohla als Krauses Kollegin Babsi zeigen in ihren Rollen, dass sie das komödiantische Handwerk beherrschen. Allerdings kommt David Thomas Pawlak als Luigi insgesamt ein wenig zu stereotyp daher. Dieser Figur hätte man mehr Kontur gewünscht, um auch in einer boulevardesken Komödie authentisch zu sein.

Logisch, dass die Geschichte am Ende ins richtige Fahrwasser kommt, vor allem aus Sicht des Protagonisten Hasso Krause. Er kann sogar seinen Job erledigen, ob gleich er sich dazu nicht in einen Killer verwandeln muss. Das Premierenpublikum ist nach der knapp zweistündigen Aufführung begeistert, gibt es am Ende stehende Ovationen.


Rainer Könen
Sächsische Zeitung
07. November 2016

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