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Foto: Beata Spychalska

MUSIKTHEATER: »Der Notenflüsterer« - Irmela Hennig - Sächsische Zeitung

Lieder mit langen Beinen und Lackschuh

„Der Notenflüsterer“ am Theater Görlitz packt fein interpretierte Film- und Musicalhits in einen altbekannten Rahmen.


Demonstrativ stellt Maestro Fraboni ein paar hochhackige Glitzerpumps auf den Flügel. Anna Gössi wird wenig später hineinschlüpfen. Sich zuvor der praktischen, aber wenig attraktiven Lackhalbschuhe entledigen und sich dann lasziv auf dem Flügel räkeln. Dazu singen. Ein bisschen anzüglich, ein bisschen kokett, ein bisschen frech. Wird mit dem Publikum flirten und mit dem Maestro an den Tasten. Wird tanzen, vom Deutschen, ins Französische, ins Englische, ins Italienische wechseln. Wird sich aus dem Anzug schälen und das kurze Schwarze samt den langen Beinen präsentieren. Das alles ist es, was einst dazugehörte zu den Liederprogrammen der 1920er, 30er, 50er Jahre. Das Theater Görlitz knüpft mit „Der Notenflüsterer“ an diese Art Liederabend an. Macht ein szenisch-musikalisches Stück daraus, das am Donnerstag im Foyercafé Premiere hatte. Vor ausverkauftem Haus. Die Inszenierung in der Regie von Frieder Venus packt dabei berühmte Film- und Musicalhits in einen altbekannten Rahmen. Ist es sonst der Hausmeister, der auf einem Dachboden irgendetwas aufstöbert, ist es dieses Mal Archivar Strubbel „mit zwei bäbbschen B“, der eine sensationelle Entdeckung macht. In einem Koffer findet er handbeschriebene Notenblätter. Alles große Hits der Film- und Bühnengeschichte. Die könnte ein unbekannter Görlitzer Musiklehrer verfasst haben. Mit seiner Entdeckung platzt der Archivar in den Liederabend und bringt diesen gehörig durcheinander. Noch viel mehr, nachdem der Oberbürgermeister vom Fund Wind bekommt und Stadträtin Reich ins Theater schickt.

Die Damen spielen sich im Wesentlichen selbst. Anna Gössi ist Anna Gössi, auch im wahren Leben noch recht neu am Theater. Sie stellt ihren ersten eigenen Liederabend auf die Beine. Sopranistin Yvonne Reich ist die erfahrene Theater frau, die eben wirklich Stadträtin ist und so der Kommunalpolitik und städtischen Interessen verpflichtet. Und Francesco Fraboni, der Maestro am Klavier, der auch die musikalische Leitung des Abends innehat, muss mit Launen, Streithähnen und einem plötzlich zum Sänger werdenden Archivar zurechtkommen. Letzterer wird gespielt von Hans-Peter Struppe, der dieser etwas chaotischen Person einen Hauch von Tragik verleiht. Hat Archivar Strubbel doch einst auch vom Sängerwerden geträumt.

Wirklich Neues bietet die Rahmenhandlung nicht. Dafür ist sie zu offensichtlich Mittel zum Zweck, um die Lieder zu verpacken. Die Songs aber funktionieren. Vor allem, weil Anna Gössi in ihrem Element scheint. Auf den Punkt die Show bietet, die einst so typisch war für jene Art von Konzert. Mit Hans-Peter Struppe oder Yvonne Reich liefert sie sich abwechslungsreiche Duette. Die Letztgenannten sind selbst auch solo zu erleben.

Für das Bühnenbild im kleinen Café braucht es nicht viel. Eine Treppe aus grünem Plüsch, ein roter Teppich, eine Schaufensterpuppe, ein Schirm, mit dem gelegentlich getanzt wird und den Flügel. Das reicht, um den Interpreten für Songs von „Wenn ich sonntags in mein Kino geh“ bis „Ich wollt, ich wär ein Huhn“ eine Spielwiese zu schaffen. Sie begeistern das Publikum, dass sich am Ende zwei Zugaben er klatscht und nebenbei ein paar der größten Geheimnisse von Görlitz erfährt. Welche? Kann ich nicht verraten – das Publikum wurde zum Stillschweigen verpflichtet.


Irmela Hennig
Sächsische Zeitung
11./12.02.2017

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