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SCHAUSPIEL: »PRAH« - Reiner Könen - Sächsische Zeitung

Welche Auswirkungen ein Lottogewinn haben kann, zeigt das Stück „Prah“, das im Zittauer Theater Premiere feierte.

Von Rainer Könen

Der Mann hat den Lotto-Jackpot geknackt. Jetzt ist er um 15.342.000 Euro reicher. Damit steht fest: Für ihn und seine Frau dürften die kargen Zeiten ihres Daseins vorbei sein.
Das Stück „Prah“, welches am Freitag im Zittauer Theater Premiere feierte, entstammt der Feder von György Spiró, einem der bedeutendsten zeitgenössischen ungarischen Autoren. In der von Christine Wipplinger inszenierten Tragikomödie geht es um ein Ehepaar in den mittleren Jahren. Beide sind Modernisierungsverlierer, die in den zurückliegenden Jahren immer wieder aus dem kapitalistischen Konkurrenzsystem herauskatapultiert wurden und deren Existenz zunehmend aus einem Geflecht von Lebenslügen besteht. Als die Frau, von Sabine Krug gespielt, von dem Gewinn erfährt, gilt ihre erste Sorge dem Lottozettel. Damit ihn niemand entdeckt, wird dieser in einer alten Kaffeedose mit der Aufschrift Prah (kroatisch: Pulver) versteckt, einem Souvenir aus dem ehemaligen Jugoslawien. „Wir könnten nun endlich mit den Kindern in Urlaub fahren“, schmiedet sie erste Pläne. Er denkt an Hubschrauber und Villen. Sogar ein Nebengleis zu den Luxushäusern sei finanziell drin, plant ihr Mann. Tilo Werner gibt dieser Figur eine aufgesetzte Nüchternheit, um nicht ganz die Bodenhaftung zu verlieren. Regisseurin Christine Wipplinger zeigt die beiden Rollen, die keine Namen haben, als Jedermann-Figuren. Das Setting: eine abgewohnte Küche aus den Endsechzigern, Symbol des materiellen und emotionalen Stillstands der Protagonisten. Über die Frage, was man alles mit dem vielen Geld tun kann, geht es bei dem Ehepaar im Laufe des Theaterabends nahtlos ins Beziehungs-Eingemachte. Beginnen die ehelichen Fassaden zu bröckeln, wird all das hinterfragt, was das Konstrukt dieser Beziehung bisher zusammengehalten hat. Dieser Lottogewinn ruft bei ihr Verzweiflung und Enttäuschung wach. Vor allem Misstrauen. Ob der Aussicht, dass „dir bei dem vielen Geld nun alle Frauen hinterherlaufen werden“, will sie die letzten Reste ihrer Würde bewahren, einen Schlussstrich unter diese Ehe setzen. Am Ende dieser Aufführung, deren Stärke in einer überschaubaren Einfachheit liegt, zuckt man unweigerlich zusammen. Hätte man den Mut des Mannes gehabt? Aber für 15.342.000 Euro kann man sich halt doch nicht alles kaufen.
Nächste Vorstellung im Theater Zittau hinterm Vorhang: am Freitag, 31. März, 19.30 Uhr. Karten und weitere Informationen 03583 770536, service@ g-h-t.de

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