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SCHAUSPIEL: »Der Pavillon« - Gabriele Gorgas - Sächsische Zeitung

Wohin mit der mausetoten Leiche?
Für einen Krimiautor türmen sich Probleme. Das Publikum bangt mit ihm bei der Kriminalkomödie „Der Pavillon“ von Alec Coppel im Zittauer Klosterhof.
Von Gabriele Gorgas
Womit es beginnt? Mit einer Leiche natürlich. Klaus Beyer in der Rolle von Elliott Nash versteckt sich deutlich linkisch hinter der Sofaliege und drückt ab, als der scheinbar Unbekannte eintritt. Der auch sofort mausetot ist. Aber schon bald kommt die Entwarnung. Alles nur Theater. Als Übung für den aktuellen Kriminalfall des Autors, dem sein von Amts wegen sachkundiger Freund Harlow Edison, auf den Punkt gebracht von Tilo Werner, beratend zur Seite steht und fällt.
So geht es immer weiter. Zu den miteinander verquickten Bestandteilen von Krimi und Komödie gehören nun mal Verwicklungen ohne Ende, also überraschend Erwartetes wie auch erwartet Überraschendes. Und daraus entsteht eine Riesen-Wuselei, gerät Elliott in seiner Zwangslage als Erpresster immer mehr in Bedrängnis, „rettet“ sich in stets neue Schwierigkeiten. Wovon sich nun auch jeder Theaterbesucher höchstpersönlich überzeugen kann. Und das als mitbangender Zuschauer bei der Aufführung „Der Pavillon“ von Alec Coppel im verwunschenen Klosterhof in Zittau.
Dass dieser als Spielstätte vom Gerhart-Hauptmann-Theater ein passender Ort für solche Geschehnisse ist, lässt sich wohl denken. Auch dann, wenn der gestresste Elliott Nash mit seiner in jeder Situation bezaubernden Frau Nell besagte Leiche, deren Identität nicht so leicht zu entschlüsseln ist, mitten durchs Publikum schleppt. Um sie im imaginären Bootshaus mit Meeresrauschen (das Ganze ist angesiedelt auf Long Island) zu entsorgen. Da kommt schon ein ganz spezielles Gruseln auf.
Keine Frage, die Aufführung lebt vom offensichtlich inspirierten Darsteller-Quartett, wo sich jeder beweisen kann und muss. Zumal eine so rasant-verstrickte Krimi-Komödie nur im Zusammenspiel funktioniert. Zuweilen könnte das noch etwas mehr Feinzeichnung vertragen. Beispielsweise in den Szenen der Annäherung des Ehepaares, bei manchen Telefonaten oder zu Beginn der Aufführung. Was sich aber nicht pauschal sagen lässt. Nur beweist es sich eben immer wieder auch in Komödien, dass weniger oft mehr ist.
Maria Weber als Nell Nash gibt in ihrer Rolle beileibe nicht nur die naive Schöne und hier halbwegs erfolgreiche Schauspielerin. Sie zeigt zugleich auch deutliche Nuancierungen eigener Tatkraft. Die sich im Laufe weiterer Vorstellungen noch mehr entwickeln könnten. Wenn nach der Premiere etwas mehr Gelassenheit einzieht. Was ganz gewiss nicht heißt, dass dann die Spannung abfällt. Als vierter Darsteller im Bunde kommt an diesem Abend Riccardo Giagnorio (wäre ihm der Name nicht zu eigen, man hätte ihn erfinden müssen) in gleich fünf Rollen zum Einsatz. Und da beweist er ebenso wie Gretl Kautzsch, die für die markante Ausstattung insgesamt und so auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet, ein höchst liebenswertes Talent des Variierens und Fabulierens.
Es gibt wohl auf der Bühne kaum etwas Schwierigeres (Oper mal ausgenommen), als justament eine solche Kriminalkomödie zu inszenieren. Da muss lustig nicht zwingend lustig sein. Bei solch einem Stück, auch einem so erprobt erfolgreichen wie dem des gebürtigen australischen Autors Alec Coppel, zählt einfach jedes Wort, jeder Schritt, jedes Detail, jede Bewegung. Und gerade das aufmerksame Mitdenken und Entschlüsseln ist der eigentliche Spaß für die Zuschauer. Sie müssen die Chance haben, auch Verborgenes erahnen und herausfinden zu können.
Regisseur Marc Schützenhofer hat dafür ein recht gutes Gespür. Zwar braucht die Inszenierung eine gewissse Zeit, um quasi auf Touren zu kommen, aber als rundum Eingeweihter hat man dann schließlich auch den besseren Durchblick. Der immer wieder auf die Probe gestellt wird. Und besonders gewitzte Momente der Aufführung sind, wie schon angedeutet, dabei weniger die überreizten, mehr die kuriosen. Wie eben jener, als der scheinbar erlegte wahre Übeltäter nach Halt suchend direkt auf sein Duschvorhang-Leichentuch fällt. Und schließlich, darin eingewickelt und aufgerichtet, merklich mit nachhilft, um emporgehoben werden zu können. Von solcherart Szenen dürfte es noch viel mehr geben.
Angemekt sei zudem, dass es sich letztlich auszahlt, beim Besuch von Aufführungen im Klosterhof Zittau für jegliche mitspielende Außentemperaturen und Wetterkapriolen gut gerüstet zu sein. Das wissen die damit vertrauten Zuschauer natürlich längst. Aber manche unterschätzen es zuweilen. Denn das vielfach deutliche Frösteln am Premierenabend in diesen noch frühen Maitagen ist gewiss nicht nur dem Bühnensterben anzulasten. Glühwein und Grog im „Freiluftangebot“ können da weiterhelfen. Aber noch besser ist eine Decke.
Nächste Aufführungen: 14. und 31. Mai, 20 Uhr,
sowie in Ausschnitten am 24. Mai und 20, 21 und 22 Uhr















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