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MUSICAL: »The Producers« - Rainer Könen - Sächsische Zeitung

Musical „The Producers“ begeistert bei Premiere in Görlitz

Für Mel Brooks‘ Satire auf Hitler gab es dröhnenden Applaus. Nach New York, London und Berlin ist das Stück jetzt in Görlitz angekommen.‎

von Rainer Könen


Er war ein großer Freund von Operetten. Doch was hätte der Gröfaz, der größte Führer aller Zeiten, wohl dazu gesagt, wenn ein Theater ihn, Adolf Hitler, als Grötaz, als größte Tunte aller Zeiten, als tanzende und pinkfarbene Witzfigur dargestellt hätte? Wie so ein tuntiger Adolf ausschaut, kann man sich nun im Görlitzer Theater anschauen. Dort hatte am Sonnabend das Musical „The Producers“ Premiere. Ein Stück, das ziemlich abgefahren daherkommt. In dem Broadway-Musical von Mel Brooks werden der Führer, Nazideutschland, Blondinen, Alte und Schwule mächtig aufs Korn genommen. Im Kern geht es um ein Musical in einem Musical.
Da ist Max Bialystock, gespielt von Stefan Bley, ein erfolgloser Broadway-Produzent, dessen Stücke beim Publikum zuletzt allesamt durchfielen. Der Mann ist pleite, und dann kommt auch noch ein Steuerprüfer, der ihm seine aussichtslose Lage vorhält. Was tun? Bialystock hat eine zündende Idee. Gemeinsam mit dem Rechnungsprüfer Leo Bloom, dargestellt von Daniel Eckert, weiß er, wie er aus seiner monetär-misslichen Lage dennoch Kapital schlagen kann: Nur ein todsicherer Flop kann Abhilfe schaffen, da wollen er und der Steuerprüfer sich nach der sofortigen Absetzung des von Geldern sexhungriger Omas finanzierten Stückes nach Südamerika absetzen. Auf der Suche nach einem richtig miesen Script stoßen sie auf das Werk „Frühling für Hitler – ein Tag mit Adolf und Eva in Berchtesgaden“ des Altnazis Franz Liebkind. Damit bei diesem schauerlichen Werk aber auch wirklich alles schiefgeht, casten sie die grottigsten Schauspieler, engagieren mit Roger de Bris den untalentiertesten Regisseur, den die Branche aufzubieten hat. Doch das Stück „Frühling für Hitler“ wird wider Erwarten ein Riesenerfolg.
In Deutschland hatte man lange gezögert, bis man Mel Brooks’ Broadway-Musical „The Producer“ adaptierte, das am New Yorker Broadway 2001 Premiere feierte und dort jahrelang ein Kassenschlager war. Weltweit sorgte dieses Stück für ausverkaufte Häuser, wurde ein Riesenerfolg. Die deutsche Erstaufführung fand erst 2009 statt, im Berliner Admiralspalast. Also in dem Haus, in dem sich Hitler seinerzeit gerne Operetten ansah. Doch vor acht Jahren wurde dieses Musical vom dortigen Publikum nicht besonders gut angenommen. Ob es am Thema lag? Darf man über Hitler, über Nazideutschland überhaupt lachen? Offensichtlich gibt es selbst heute noch Hemmschwellen. Die es aber zu überwinden gilt. Sebastian Ritschel, der das Stück für das Görlitzer Theater inszenierte, verzichtete weitgehend auf Provokationen. Hakenkreuzembleme sieht man nur auf der Bühne, weder das Foyer des Theaters noch die Außenfassade des Gebäudes sind mit Hakenkreuzflaggen oder Ähnlichem beflaggt wie etwa bei der Berliner Erstaufführung. Das Görlitzer Theater ist nach Berlin, Regensburg und Schwerin erst das vierte deutsche Theater, das diese durchgeknallte musikalische Komödie aufführt.
In dem rund dreistündigen Stück kommt vieles bunt, schrill und glittrig daher. Stefan Bley als Max Bialystock ist Dreh- und Angelpunkt in diesem Stück, stark in der Stimme, im Ausdruck, vermisst man bei seiner Figur jedoch diese unbedingte Durchtriebenheit, wirkt einiges recht brav. Vom Biedermann zum Lebemann verwandelt sich hingegen Steuerprüfer Leo Bloom. Daniel Eckert gibt ihm eine unschuldige Naivität, eine Weltfremdheit, die sich nach seinem Wechsel ins Produzentenfach schlagartig ändert. Adrian Becker als Regisseur Roger de Bris kommt exaltiert daher, das Tuntige nimmt man ihm in etlichen Szenen jedoch nur bedingt ab. Dabei verdient eine solche Figur einfach mehr Übertreibung. Hans-Peter Struppe als bajuwarischer Altnazi tut sich mit dem Dialekt gelegentlich schwer, aber darüber schaut man weg, vor allem dann, wenn der Autor der Führerverherrlichung „Frühling für Hitler“ schuhplattelt oder den beiden Produzenten seine dressierten Tauben vorführt. Köstlich zu sehen, wie die ihren rechten Flügel zum Hitlergruß heben. Alison Scherzer mimt die junge Schwedin Ulla Svaden-Svanson, die von Bloom und Bialystock als schauspielernde Sekretärin engagiert worden ist. Sie gibt der Aufführung ein paar nette optische Aufmerksamkeiten. Der Höhepunkt in dieser parodistischen Aufführung ist das Musical im Musical. Da zeigen Mitglieder der Theater-Tanzcompany flotte Stepptanznummern in Naziuniformen, wird munter geträllert und marschiert. Choreografisch sieht das ganz passabel aus. Roger de Bris, der für den Altnazi Frank Liebkind einspringen muss, weil der sich kurz vor der Premierenaufführung das Bein gebrochen hat, zeigt in dieser Massenszene mal seine schauspielerischen Qualitäten. Als Führer in pinkfarbener Uniform, mit aufgeklebtem Schnurrbart, ragt Adrian Beckers tuffige Figur aus all den Darstellern heraus, die im Stechschritt hinter ihm über die Bühne laufen. Überhaupt wirkt die Szenerie urkomisch, wenn da Germaninnen mit Brezel- und Wursthelmen über die Bühne schreiten, SA-Formationen sich zu drehenden Hakenkreuzen formieren, dazu enthusiastisch „Frühling für Hitler“ gesungen wird. Am Ende landen Bloom und Bialystock im Knast. Doch davon lassen sich die beiden nicht entmutigen, wissen sie doch schon, wie sie dort herauskommen können.
Stehend dargebrachte Ovationen gab es für diesen unterhaltsamen Theaterabend, der auch zeigte, dass komödiantischer Irrsinn wie „The Producers“ erfolgreich sein kann. Man muss halt einfach den Mut zum Flop haben.

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