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Foto: Marlies Kross

»Die Entführung aus dem Serail« - Jens Daniel Schubert - Sächsische Zeitung

Mozart und kein Ende

Fehlende Regie-Ideen machen die „Entführung“ zu einem schier endlosen Opernabend.

Die Geschichte ist schlicht. Zwei Paare, zwei Störenfriede, Verunsicherung und Gefährdung der Liebe, glückliches Ende. Die Musik in Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ ist genial, da können und müssen sich geläufige Kehlen und schöne Stimmen beweisen. Weil man am Theater aber nur selten ein CD-reifes Ensemble hat, braucht man Regie-Ideen. Das Stück bietet sie. Die neue Görlitzer Inszenierung in der Regie von Birgit Scherzer nutzt sie nicht. Sie präsentiert Story und Sänger in bunten, wechselnden Stimmungen, schonungslos offen und ohne innere Bewegung. So wird es ein sehr langer und wenig anregender Opernabend.

Theater ist lebendige Kunst, deren Qualität auch von der Tagesform abhängt. So mögen der wenig brillante Klang und die weitgehend ausbleibenden Impulse von der Neuen Lausitzer Philharmonie unter Ulrich Kern am Samstag der „berühmten“ zweiten Vorstellung zuzurechnen sein.

Mozarts Singspiel lebt von kurzen Dialogen und langen Arien. Sie geben mit mehreren Strophen und Wiederholungen den Sängern Raum zum Glänzen. Mozart hat „Die Entführung“ in einem fantastischen Orient verortet. Hier entdecken viele Inszenierungen ihre Spielwiese: orientalisches Märchen, Zusammenstoß der Kulturen, die Utopie der Fürstenerziehung oder die Frage, was ein „Serail“ heute wäre. Es gibt viel Material für szenisches Spiel um diese Liebesgeschichte. Die Görlitzer Aufführung zeigt nichts davon.

ÄNNs Ausstattung ist ein bunter Allgemeinplatz. Eine blaue Welle, vielleicht das Meer oder der fliegende Teppich. Ein Holzpodest in Form eines Zirkels oder Uhrenzeigers, der sich dreht, öffnet oder schließt und aus dem kleine Kunstrasenstücke geschoben werden, die rechtzeitig vor dem Zusammengehen des Winkels wieder zurückgezogen werden. Der schwarze Horizont öffnet und schließt sich wie eine Blende und zeigt dahinter wechselnde Farben. Das ist alles schön gemacht und toll anzusehen. Es kann alles bedeuten und erzählt deshalb nichts. Man könnte alles darin spielen, aber was gespielt wird, könnte auch überall sein. So wird es gänzlich bedeutungslos. Die Kostüme greifen jeweils das erste beste Klischee auf. Osmin, der Haremswächter, mit Pluderhose, fleischfarbigem Shirt, das nackten, tätowierten Oberkörper vorstellen soll, Halbglatze und Pferdeschwanz und ein albern kleines, viel zu leichtes Holzschwert. Bassa Selim, der große Fürst mit gegelt-graumeliertem Haar und langem, zottigen Pelzmantel, später Seidenpyjama. Das seriöse Paar in edlem, züchtigen Schwarz. Das Buffopaar bunt, die englische Zofe neckisch im Minirock mit Schottenmuster. Diese Kostüme bestimmen weder Zeit noch Ort der Handlung. Sie charakterisieren die Figuren, indem sie sie zu Typen verflachen.

Es wird gerannt und gehüpft
Nötig wären Impulse von der Regie. Der ist allerdings rein gar nichts eingefallen. Die Sänger laufen mal hierhin und mal dorthin, ihre Blicke wenden sich einander zu und dann wieder in eine imaginäre Ferne. Da hält man sich an den Portaltürmen oder geht in die Knie, wenn der Schmerz unerträglich wird. Der Zuschauer sieht die Absicht, aber kein Gefühl, sieht die Pose, aber keine Haltung. Da wird gerannt und gehüpft, wenn es heiter beschwingt sein soll und mit Händen und Knien gezittert, wenn die Angst übermächtig wird. Für das Buffopaar mit Jenifer Lary und Michael Berner ist es einfacher. Sie können mit viel Bewegung, manchmal mit der Flucht in den Slapstick allzu große Längen umturnen. Schwierig ist es für Konstanze und Belmonte. Lisa Mostin und Thembi Nkosi müssen angestrengt betroffen gucken und bedeutungsschwere Gänge zelebrieren. Sie konzentrieren sich ganz auf den Gesang. Dem fehlt jedoch das Wichtigste, die ausschlaggebende Motivation, die innere Zwangsläufigkeit. Und wie sich die Sänger auf ihre Technik, auf Koloraturen und Schönklang konzentrieren, tun es auch die Zuschauer. So bemerken sie Defizite in grausamer Deutlichkeit, die in einer glaubhaften Figureninterpretation unauffällig, ja vielleicht sogar Markenzeichen dieser Bühnenfigur hätten sein können.

Kaum besser ergeht es Osmin und Bassa Selim. Da der Großfürst nichts zu singen hat, könnte man ihn mit einem Schauspieler besetzen. Das ist dann riskant, wenn nur er Subtexte, differenzierte Gedanken und Gefühle spielt und sich somit von den Sängern absetzt. Markus Weickert tut dies nicht. Er lässt sich von der Regie wie die Sänger in bedeutungsschwere Arrangements und Blickachsen schieben, ohne eine Beziehung zu seinen Bühnenpartnern aufzubauen. Stefan Bley ist theatererfahren genug, seinem Haremswächter Osmin ein gewisses Grundprofil zu geben. Wie er in den großen Arien mit seinem albernen Holzschwert allein gelassen wird, ist schon fast eine Bloßstellung des Sängers. Das haben die Görlitzer nicht verdient. Weder die Sänger noch die Zuschauer. ‎

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