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Foto: Pawel Sosnowski

»Quartett« - Irmela Hennig - Sächsische Zeitung

Begehren in Wattebäuchen
In Zittau hatte Heiner Müllers »Quartett« Premiere und ist auch ein Seitenhieb auf´s »ewig jung sein wollen.«

(...)Hier agieren zwei alte, abgelebte Menschen, die nicht aus ihren Rollen können. Immer haben sie sich von ihrer Lust treiben lassen. Haben verführt, haben ihren Ruf als Verführer kultiviert. Eine Lebensaufgabe, weil sonst nichts zu tun ist? »... unser erhabener Beruf ist, die Zeit totzuschlagen ...«, sagt Valmont. Und nun tauschen sie sich aus über neueste Eroberungspläne, bei denen fraglich ist, ob sie sich umsetzen lassen. Denn von der einstigen Schönheit ist nichts geblieben. Das wissen die Protagonisten und machen sich nicht mehr die Mühe, sich voreinander in Schale zu werfen. Sie kennen einander, Körper und Seelenabgründe. Sie müssen nicht verbergen, dass sie faltig sind und dicklich. Regisseurin Sabine Wegner und Ausstatter Matthias Winkler lassen ihre Darsteller darum in mit Watte gefüllten Anzügen die Nacktheit vermitteln.(...)

(...)Doch das Spiel von Sabine Krug als Merteuil und von Klaus Bever als Valmont macht den Polsterspeck schnell zur Nebensache. Vor allem, wenn die Beiden beginnen, die Rollen zu tauschen. Sie wird zu ihm, der noch einmal erobern möchte. Er übernimmt den Part einer tugendhaften, verheirateten, treuen Gattin, der Madame Tourvel. Und zusammen bauen sie ein raffiniert-verlogenes Werben auf, um die scheinbar gegen jede Versuchung Gefeite doch zu knacken.(...)

(...)Die zwei Darsteller bieten ein Spiel im Spiel und schlüpfen in zwei weitere Rollen, die sie meisterlich beherrschen, weil sie den Kampf der Geschlechter, Lust und Laster, Begehren und Verwerfen bis in die Abgründe hinein kennen. Drama wechselt mit Satire und mit ein wenig Slapstick.(...)

(...)Die Bühne in Zittau ist auf Kammerspiel hin angelegt. Es gibt rote Wände und im unteren Drittel braun gemusterte Tapete im Stil der Salons vor der Zeit der Französischen Revolution – eine von Heiner Müllers Regieanweisungen für den Zeitraum. Die andere ist »Bunker nach dem Dritten Weltkrieg«. Davon hat sich Regisseurin Sabine Wegner inspirieren lassen. Sie hat sich mit den »Preppers« beschäftigt. Das sind Menschen, die sich auf den Weltuntergang vorbereiten. Darauf zurückzuführen ist ein kleines Häuschen auf Rädern auf der Bühne. Mit Stuhl, Regal, Dosen, einem Sanikasten an der Wand. Mit allem Notwendigen eben.(...)

(...)Man müsste sich schon sehr bemühen, um der Zittauer Inszenierung eine Bedeutung für aktuelle Debatten um Geschlechterrollen abzuringen. Eher schon ist sie ein Seitenhieb auf den Zwang zum ewig Jungsein wollen. Aber es genügt auch, dem Spiel der Kampfhähne zu folgen, die bis auf kleine Aussprache-Undeutlichkeiten überzeugen, egal ob sie Mann, Frau, Verführer, Verführte geben. Für das Duo im »Quartett« gab es langen Applaus.(...)

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