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MUSIKTHEATER »Die tote Stadt« — Sven Köhler — Facebook

KORNGOLD: "DIE TOTE STADT" - PREMIERE - (Görlitz / 11.04.15)

Korngolds Hauptwerk erfordert ein sehr großes Orchester. Wenn sich das Gehart-Hauptmann-Theater an diese Oper traut, sind besondere Dispositionen nötig. Die Neue Lausitzer Philharmonie nahm also auf der Hinterbühne Platz (wie bereits vor circa zehn Jahren bei der "Salome"), Regisseur Jan-Richard Kehl und sein Team bauten sich eine hinreichend große Spielfläche, die sich bis auf den überdeckten Orchestergraben erstreckte, also auch dem Publikum näher rückte als gewöhnlich. Das hat Vorteile: Die Sänger müssen nicht über das riesige Orchester hinweg singen und das Publikum versteht mühelos den kompletten Text. Es hat auch einen Preis: Manch schöne Orchesterpassage (Korngold ist ein Meister der Instrumentierung und der Klangfarben) bleibt etwas im Hintergrund. GMD Andrea Sanguineti hat seine Musiker wieder bestens vorbereitet und die Verständigung mit den Sängern vorn funktionierte ohne hörbare Probleme.

Sängerisch hatte man sich bestens aufgestellt und auf den fehlenden Positionen verstärkt. Gleich zu Beginn ließ eine für das Görlitzer Publikum neue Stimme aufhorchen: Regina Pätzer als Brigitta mit dunkel getöntem und auch in höher liegenden Passagen gut ansprechendem Mezzosopran. Mit ihr und Ji-Su Park als Frank zog bereits die erste Szene die Zuschauer in den Sog der Musik. Park gefiel durch kantablen Einsatz seiner vollen, warmen Baritonstimme und hatte mit "Mein Sehnen, mein Wähnen" einen der "Hits" zu interpretieren. Das gelang ihm ausnehmend schön, wofür ihm Maestro Sanguineti mit perfekter Tempowahl den Boden bereitete (ein melancholischer langsamer Walzer, aber eben auch in Nähe zu Musettas Walzer aus der "Bohème", eins der vielen Stilzitate in Korngolds Partitur).

Die beiden Protagonisten-Rollen Paul und Marietta stellen trotz des kompakten Aufbaus der Oper für die Interpreten den reinsten Marathon dar. Jan Novotny hat sich mit dem Paul eine seiner schwersten, aber meines Erachtens auch seine momentan beste Partie erarbeitet. Sie liegt ihm erstaunlich gut auf der Stimme, sowohl tief liegende Stellen als auch die regelmäßigen "Höhenausflüge" klingen sicher und präsent. Mit lyrischer Stimmführung auf heldischem Fundament gelingt ihm eine in jeder Hinsicht überzeugende Gestaltung. Das ist um so höher zu bewerten, als ihm auch darstellerisch einiges abverlangt wird. Dass "seine" Strophe von "Glück, das mir verblieb" sowie das Pendant am Schluss in eine vorbereitete Gedankenstimmen-Tonkonserve verbannt wurde, gehört zu einigen wenigen Regie-Einfällen des Abends, die mir nicht zusagten (eine andere war der inflationäre Gebrauch der Saalbeleuchtung). Daneben gab es aber auch viele überzeugende Ideen wie der Umbau zum zweiten Bild oder die deutlichen Unterschiede zwischen Marie und Marietta. Und man muss Jan-Richard Kehl danken und zugute halten, dass er die Inszenierung für einen erkrankten Kollegen übernommen hat und folglich nicht den üblichen gedanklichen und konzeptionellen Vorlauf zur Verfügung hatte.

Mit der Marietta hat Patricia Bänsch eine weitere dramatische Sopranpartie ihrem Repertoire hinzugefügt. Die Stimme entwickelt inzwischen eine enorme Kraft vor allem in der Höhe, für die das Görlitzer Haus vielleicht bald zu klein wird. Aber immer wieder bändigt sie auch ihre Stimmgewalt und findet zu schön gestalteten lyrischen Passagen. Gleichwohl scheint mir, da könnte doch an größeren Häusern die eine oder andere Partie möglich sein.
Die Komödianten-Szene des zweiten Bildes vereinigte ein gut aufeinander abgestimmtes Ensemble mit Laura Scherwitzl, Cristina Piccardi, Martin Kristensen, Benjamin von Reiche und Michael Berner.

Das Premierenpublikum dankte mit langem Applaus, der sich bei Paul, Marietta, Frank/Fritz und dem Maestro samt Orchester zum verdienten Jubel steigerte.

Sven Köhler
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12.04.2015

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