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KONZERT: »Schwanensee« — Karsten Blüthgen — Sächsische Zeitung

Immergrüne russische Tänzchen

Bei Tschaikowsky kommen die Lausitzer Philharmoniker ins Schwelgen. Der „Schwanensee“ könnte mehr Pfeffer vertragen.


Schlangen an der Abendkasse der Lausitzhalle Hoyerswerda bilden sich leider kaum, wenn die Neue Lausitzer Philharmonie gastiert. Erfreulich anders am Donnerstag. Ein gut besuchtes Haus wünscht man dem unermüdlich durch die Lausitz wandernden, mit Herz musizierenden Orchester öfter. Das ehemalige Haus der Berg- und Energiearbeiter – am 7. Oktober wird es 30 – ist mit seinen gut 800 Plätzen heute freilich schwer auf Dauer zu füllen. Aber der Neujahrstag ist etwas Besonderes. Und Peter Tschaikowsky ist es auch.

Nach den Silvesterkonzert-Feuerwerken in und um Dresden bespielen seit Donnerstag die Lausitzer Philharmoniker unter Leitung des Chefdirigenten Andrea Sanguineti ihre sechs Bühnen zwischen Görlitz und Hoyerswerda, Niesky und Zittau. Das Programm des dritten Philharmonischen Konzertes dieser Saison ist tänzerisch und rein russischen Ursprungs, bietet allerdings mehr als nur die vertrauten Silvesterknaller. Eine Rarität wartet gleich zu Beginn: ein Stück aus Reinhold Glières Ballett „Roter Mohn“. Das Hoyerswerdaer Publikum raunte nach dem frisch und kernig musizierten „Russischen Matrosentanz“. Auf diese packende Ouvertüre hin wechselte die Stimmung ins Ruhige, Lyrische, Melancholische. Tschaikowskys Violinkonzert, vor allem dessen berückend schöner langsamer Satz, bot große Momente des Innehaltens. Das Orchester harmonierte mit Geiger Andrej Bielow, der so beseelt und technisch trittsicher musizierte, dass man das Tückische seines Soloparts kaum wahrnahm.

Dann die berühmte Folge mit „Scène“ (Moderato), „Tanz der Schwäne“ und „Spanischem Tanz“. Ohne Zugaben ging der „Schwanensee“-Reigen am Neujahrstag nicht ab. Orchesterdamen in farbigen Kleidern und eine festlich dekorierte Bühne boten mal etwas fürs Auge. Dank seiner Spielfreude ließ sich der Klangkörper aber auch gut hören. Etwas mehr Tempo hätte manche „Schwanensee“-Nummer zwar gut vertragen, und auch mit dem rhythmischen Pfeffer hielt sich der Italiener am Pult sehr zurück. Die mediterrane Lesart russischer Deftigkeit? Wie auch immer – der Einsteig ins neue Jahr gelang und wurde vom Publikum zu Recht gründlich bejubelt.

Karsten Blüthgen
Sächsische Zeitung
03.01.2015

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