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Foto: Marlies Kross

MUSIKTHEATER: »Jenůfa« - Jens Daniel Schubert - Sächsische Zeitung

Kindermord zur Ehrenrettung

Große Bilder, aufgewühlte Musik, beeindruckende Darsteller: In Görlitz ist die Geschichte von Jenufa zu erleben.


Ihre Jenufa soll’s mal besser haben, davon ist die alte Küsterin besessen. Sie ist klug und schön und beliebt. Doch ausgerechnet in Stewa verliebt sich das Mädel. Der ist hübsch und reich und ein Glückskind. Doch auch leichtlebig und schon als junger Mann dem Alkohol zugetan. Damit hat die Küsterin aus eigener Ehe böse Erfahrung. Das will sie nicht für ihre Tochter.

Leoš Janáček hat diese Ausgangslage zu einer hoch dramatischen und emotional bewegenden Oper verabschiedet. „Jenufa“, ein überaus anspruchsvolles Werk, steht seit dem Wochenende auf dem Spielplan des Gerhart Hauptmann-Theaters in Görlitz, die Premiere wurde mit langem Applaus gefeiert.

Herbstblätter fallen auf eine fast leere schwarze Bühne. Lediglich ein überdimensionaler weiß gedeckter Tisch in Kreuzform unterteilt die Fläche. Hier wartet Jenufa auf ihren Verlobten, der zur Musterung musste. Hier hofft dessen Stiefbruder Laca, dass Stewa fort muss und er eine Chance hätte mit seiner Liebe zu Jenufa. Hier entlädt sich das ganze Missfallen der Küsterin auf den fröhlich bezechten Stewa.
Was wie ein Damokleschwert unausgesprochen über dem Ganzen schwebte, ist im zweiten Bild Realität. Weißer Schnee fällt, das Kreuz ragt wie ein Fels schräg in die Bühne, darunter, halb Höhle, halb Gruft, hat Jenufa, behütet und abgeschottet durch die Küsterin, Stewas Kind zur Welt gebracht. Doch Stewa will nichts wissen von Jenufa und ihrem Kind. Laca würde sie nehmen, doch ihn schreckt das Kind.
Die Küsterin wird es aus dem Weg schaffen, um der Tochter ein ehrbares Leben zu retten. Im dritten Bild heiraten Jenufa und Laca. Ihr Kind, meint sie, sei gestorben, als sie im Fieber lag. Auch Stewa kommt mit seiner neuen Braut. Schmelzwasser fließt über die Bühne. Das Kreuz ist aufgerichtet wie auf einem Grab. In seinem Schatten vegetiert die Küsterin, die fast den Verstand verloren hat an dem düsteren Geheimnis, die Mörderin ihres Enkels zu sein. Auch die Dorfleute kommen, doch nicht zum Feiern, sondern weil der aufgetaute Bach die Kinderleiche freigegeben hat. Jenufa erkennt ihr Kind und der Mob will sie als Kindsmörderin töten. Laca versucht sie zu verteidigen und die Küsterin gesteht ihre Tat. Bevor der Richter kommt, vergibt Jenufa ihrer Mutter. Das Kreuz senkt sich und begräbt die Küsterin unter sich. Dann, mit Laca allein, kann Jenufa endlich seine alles übersteigende Liebe erwidern. Es ist in Görlitz kein rückhaltloses Aufeinanderzustürzen, wie es die Musik nahe legt, sondern eher ein zögerndes Zusammenfinden, der Anfang eines Weges.

Britta Bremer hat das karge, aber unglaublich wirkungsvolle Bühnenbild erfunden. Mit den stilisierten, sauber-neuen Kostümen siedelt sie die Handlung an einen konkreten, aber nicht näher bestimmten Handlungsort, irgendwo Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Fantasie und Assoziationskraft des Zuschauers sind angeregt. Intendant Klaus Arauner spielt in diesem optischen Rahmen die Geschichte genau, führt die Protagonisten zu durchweg überzeugenden Leistungen. Mit den Choreografen Dan Pelleg und Marko E. Weigert an der Seite inszeniert er den Chor und die kleineren Solorollen in einer dem Bild angemessenen, nicht naturalistischen Spielweise, die die Konzentration auf die Kerngeschichte verstärkt.

Die Neue Lausitzer Philharmonie, der Chor und alle Solisten wachsen unter der Leitung von Andrea Sanguineti zu einem beeindruckenden Ensemble musikalisch höchster Ausstrahlung zusammen. Überragend dabei die Gestaltungskraft der Solisten, als alte Buryja Helena Köhne, als Stewa Jan Novotny und als Laca Keith Boldt. Fesselnd in der Spannweite ihrer spielerischen wie stimmlichen Gestaltungskraft ist Yvonne Reich als Küsterin. In einem ganz neuen Fach und rundum überzeugend präsentiert sich Patricia Bänsch als Jenufa, die ihre Figur in den unterschiedlichsten Facetten auslotet. Diese „Jenufa“ ist tragisch und gleichzeitig mitreißend.

Jens Daniel Schubert
Sächsische Zeitung
28. April 2014

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Dienstag bis Freitag 10:00–18:00 Uhr
Samstag 10:00–12:30 Uhr

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