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KONZERT: »Heimat« - Karsten Blüthgen - Säschsische Zeitung

Pipa zu Gast im Abendland

Heimat heißt das Thema bei den aktuellen Konzerten der Neuen Lausitzer Philharmonie. Die Zittauer jubelten zur Premiere.


Chinesische Pipa trifft auf abendländisches Streichorchester. Beide führen ein inniges Gespräch, tauschen sich lebhaft, mal energisch virtuos, exaltiert, mal nachdenklich und in zarten Tönen über ihre Herkunft aus, entwickeln neue Gedanken. Die vier Sätze dieses Werks aus dem Jahre 1999 durchzieht ein eigenwillig glühender musikalischer Faden. Die Rede ist vom Konzert für Pipa und Streichorchester, das der Chinese Tan Dun 1999 schrieb. Vor drei Jahren erklang es bei den Dresdner Musikfestspielen in der Frauenkirche. Nun liegt das Konzert, zwischenzeitlich vom Komponisten überarbeitet, auf den Pulten der Neuen Lausitzer Philharmonie.

So entfesselt wie am Sonnabend in Zittau fallen die Reaktionen selten aus: viel „Bravo-Rufe“, erregter Austausch über das Gehörte beim Pausensekt. Das erste, ausverkaufte Konzert der Serie unter dem Titel „Heimat“ wurde vor allem dank des Pipa-Konzerts ein voller Erfolg. Wohl liegt es am schillernden Exotismus. „Meine Musik ist ein Mosaik; dieses Mosaik enthält sehr, sehr viele Elemente aus verschiedenen Traditionen und Kulturen, aber diese Elemente ergeben ein Ganzes“, sagt der 1957 in Hunan geborene Tan Dun. Als Kind erkundete er seine Heimatprovinz, sammelte zur Unzeit der Kulturrevolution Volksmelodien und ging damit 1986 nach New York.

Seit dem Oscar für seine Filmmusik zu „Tiger and Dragon“ im Jahr 2000 zählt Tan Dun zu den Gefeierten unter den Ost-West-Grenzgängern. Auch sein Pipa-Konzert fragt nach Herkunft und Identität. Es fragt auf optimistische, spielerische Weise. Die Orchestermusiker sollen neben dem konventionellen Spiel auf ihren Instrumenten stampfen, jaulen und klatschen. Dazu mischt sich der geradezu überirdische Klang der chinesischen Laute Pipa, die in Ya Dong eine wahrlich noble Spielerin gefunden hat. Das Zittauer Publikum musste nach dieser so stürmischen wie empfindsamen Darbietung begeistert sein.
Aber es zeigte sich auch den anderen Werken des Abends nicht abgeneigt. Der Amerikaner Charles Ives warf einen komponierenden Blick auf seine Heimat, als diese ins Ragtime-Fieber fiel. Ives‘ vier „Ragtime Dances“ sind vertrackt, mal geschmeidig, mal sperrig, mischen Euphorie mit Ironie. Wahrlich keine leichte Aufgabe für ein Orchester, dessen Alltag sich aus dem klassisch-romantischen Repertoire speist. Die Lausitzer machten keine schlechte Figur.
Ganz nahe lagen sie schließlich am böhmischen Tonfall, den Antonín Dvorák in seine sechste Sinfonie legte. Prächtig ausmusizierte Rahmensätze, ein Adagio tief empfundener Dialoge zwischen Holzbläsern und Streichern, dazu ein den Furiant tanzendes Scherzo beglückten die Zuhörer.

Roman Baltag ist bei dieser Konzertstaffel für den erkrankten Görlitzer Generalmusikdirektor Sanguineti eingesprungen und löste seine Aufgabe mit Bravour. Der 1989 in Moldawien geborene Dirigent, der zurzeit in Dresden studiert, wirkte ausgezeichnet vorbereitet und leitete so einen wahrlich runden Konzertabend.

Karsten Blüthgen
Sächsische Zeitung
10.03.2014

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