0
MENÜ SCHLIESSEN
  • Rezensionen<

SCHAUSPIEL: »Kasimir und Karoline« - Silvia Stengel - Sächsische Zeitung

Sehnsucht nach einem schönen Leben
Kasimir hat seinen Job verloren. Und nun wendet sich auch noch seine Freundin Karoline von ihm ab. Sie weiß nicht, ob sie zusammenpassen. In dem Stück »Kasimir und Karoline«, das am Sonnabend im Zittauer Theater Premiere hatte, sind sie auf einem Oktoberfest. Karoline will sich amüsieren und Achterbahn fahren. Doch Kasimir steht nicht der Sinn danach. Jetzt muss er von Hartz-IV leben. Wie soll er damit klar kommen? Er trifft alte Freunde wieder, den Merkl Franz, der kriminell geworden ist, und seine Freundin Erna. Karoline vergnügt sich derweil mit anderen Männern, auch mit einem älteren, schmierigen, der Chef einer Firma ist. Er will nur eins und das am besten gleich vor Ort. Er wirft Karoline auf die Polster. Bühnenbildnerin Beate Voigt hat ein extralanges Sofa hingestellt. Im Hintergrund spielt Musik, ein Gerüst mit schwarzen Wänden und Spiegeln dreht sich und vermittelt gut die Rummelatmosphäre.

Lüstling bekommt eine Herzattacke
(…)Vor allem Paula Schrötter beeindruckt als Karoline, als zerbrechliche junge Frau, die einfach nur Sehnsucht nach einem schönen Leben hat. Allein ihr Mienenspiel, als der reiche alte Lüstling auf sie steigt, ist klasse. Stephan Bestier überzeugt als Kasimir. Er gibt auch schön den Betrunkenen. Marc Schützenhofer als Krimineller mit schriller Jacke beeindruckt mit allen Facetten vom leisen Spiel bis zum brutalen Wutausbruch. Und Renate Schneider als Freundin Erna sieht mit ihren kurzen Hosen und dem großen Dekolleté aus wie eine Prostituierte und gibt sich auch so. Sie zeigt aber genauso gut Feingefühl, wenn sie sich für Kasimir einsetzt. Erzsebet Ratkai hat die Kostüme vom Dirndl bis zur normalen Alltagskleidung wie Jeans gut angepasst. Die Ungarin schuf an dem Theater bereits bei »Edith und Marlene« die Kostüme. (…) Das Stück von dem österreichisch-ungarischen Autor Ödön von Horvath, das 1932 uraufgeführt wurde, ist immer noch aktuell. Wie gehen wir mit Arbeitslosigkeit um? Ist einer, der keinen Job hat, weniger wert? Wie wirkt sich das auf die Liebe aus? Und wie soll jemand mit dem Geld vom Amt zurechtkommen? Das sind Fragen, die sich heute genauso stellen.

"Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich - aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als wäre man nie dabei gewesen", sagt Karoline. Das Regie-Paar hat auch den Bezug zu Zittau gesucht. Es lässt die Geschichte eines Mannes aus Zittau einspielen. Der erzählt, dass er seinen Job bei Robur verloren hat und in den Westen gegangen ist. Dort hat er eine neue Arbeit gefunden, seine Frau und seine Kinder aber sind zu Hause geblieben. Die Frau hat bald einen anderen Kerl kennengelernt. Sie war noch viel zu jung und wollte etwas erleben. Der Mann hat es dann nicht mehr im Westen ausgehalten und ist zurück nach Zittau gekommen. Nun ist er wieder arbeitslos. Man kann nicht in den Urlaub fahren, hat kein Auto, lebt in einer Scheinwelt und wird schnell depressiv. (…)
Im zweiten Teil nach der Pause gewinnt das Stück an Fahrt. Kasimir und Karoline treffen immer wieder aufeinander. Erst versucht er, sie erneut zu gewinnen, aber sie wendet sich ab. Nachdem sie in die Fänge des älteren Mannes geraten ist, der aber rechtzeitig Herzbeschwerden bekam und von ihr ließ, will sie Kasimir zurück. Doch nun möchte er sie nicht mehr. Am Ende sitzt jeder mit einem anderen Partner auf der Bank. Ein Lied von Rosenstolz wird eingespielt: »Hast du alles versucht? Hast Du wirklich gelebt? Wenn nicht, fang an!« Ein schöner Schluss. Auch wenn er kein Happy End ist.

Silvia Stengel
Sächsische Zeitung
14.04.2014

Kassenöffnungszeiten in Görlitz & Zittau

Dienstag bis Freitag 10:00–18:00 Uhr
Samstag 10:00–12:30 Uhr

Downloads

Das neue Spielzeitheft, unsere aktuellen Spielpläne und die Theaterzeitung GerHarT finden Sie hier
Downloads

Kartenkauf auf Rechnung

Für den Kartenkauf auf Rechnung nutzen Sie bitte im Spielplan den Button »RESERVIERUNG«.

Neue Kassenöffnungszeiten in Görlitz & Zittau ab Januar 2019

Dienstag bis Freitag
10:00–13:00 Uhr
14:00–18:00 Uhr

Samstag
10:00–12:30 Uhr
Diese Website verwendet Cookies. In diesen werden jedoch keine personenbezogenen Inhalte gespeichert. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu Weitere Informationen
VERSTANDEN