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Foto: Pawel Sosnowski

SCHAUSPIEL: »Edith und Marlene« - Marco Mach - Sächsische Zeitung

Edith trifft Marlene

Ein Stück über die zwei legendären Diven erlebt in Zittau eine starke Premiere.

Es beginnt mit dem Ende. Marlene Dietrich schleicht über die dunkle Bühne. Trauert um ihre nur 47 Jahre alt gewordene Freundin Edith Piaf. Und spricht mit deren Bild in einem Spiegel.

Die zwei legendären Diven, die deutsch-amerikanische Schauspielerin und Sängerin sowie die französische Chansonette, begegnen sich jetzt wieder im Zittauer Gerhart-Hauptmann-Theater. Und wie! Die schon in mehrere Sprachen übersetzte Tragikomödie „Edith und Marlene“ der Ungarin Éva Pataki hatte am Sonnabend eine starke deutsche Erstaufführung.

Ausgehend von biografischen Elementen und geschmückt mit Fiktionen werden darin die wichtigsten Stationen in Edith Piafs Leben dargestellt: ihre Anfänge auf der Straße, ihr Alkoholproblem, ihr Aufstieg zu Weltruhm und eben auch und vor allem ihre Freundschaft zur Dietrich. Manchmal kommt es zu zeitlichen Verschiebungen. So macht sie ihr Entdecker Leplée im Stück mit Marlene bekannt. In Wahrheit lernten sie sich erst 1947, also elf Jahre nach Leplées Ermordung, in New York kennen. Nur die Frage, ob beide auch eine Liebesbeziehung hatten, bleibt außen vor.

„Edith und Marlene“ lebt – natürlich – von den großen Hits der beiden. Da sind zum einen „La Vie En Rose“ und „Padam“, zum anderen „Ich bin von Kopf bis Fuß“ und „Lili Marleen“, diese in der propagandistischen BBC-Version. Im ersten Teil erklingt noch etwas zu viel Musik, verkommt der Inhalt fast zum bruchstückhaften Beiwerk. Erst im zweiten Teil, mit fortschreitendem Verfall Ediths, erhält die Handlung mehr Tiefe. Um inhaltliche Bezüge der Chansons besser zu verdeutlichen, werden diese mit deutschen Übertiteln versehen. Das ist jedoch nicht immer nötig.

Das große Plus: Die Besetzung geht perfekt auf. Schauspielerin Katinka Maché als Edith Piaf und Sopranistin Yvonne Reich zum wiederholten Mal als Marlene Dietrich singen und spielen sich wahrlich in die Herzen des Publikums. Sie arbeiten vor allem den krassen Unterschied der beiden Freundinnen heraus. Hier der schmutzige, rauhe Spatz, da der blonde Engel mit der tiefen Stimme. Hier die kindlich-vulgäre und emotionale Piaf, da die erhabene und rationale Offizierstochter. Vielleicht kommt die Piaf ein bisschen zu polternd und trunken, die Dietrich zu stolz daher. Aber die stärksten Momente hat die Inszenierung der neuen Schauspielintendantin Dorotty Szalma, wenn beide zusammen auf der Bühne sind. Wenn etwa Edith staunt oder telefoniert, während Marlene singt. Oder Marlene hofft, dass Edith auf der Bühne nicht versagt.

Neben diesen starken Hauptdarstellerinnen haben es die beiden anderen Akteure schwer. Renate Schneider überzeugt als Piafs Freundin Momone und Krankenschwester. Von Stephan Bestier hätte man sich gewünscht, dass er „seine“ fünf Männer etwas weniger austauschbar gestaltet. Hier wäre ein weiterer Schauspieler nützlich gewesen. Nicht zu vergessen ist Tobias Kruse, der als Pianist im Hintergrund die Songs exzellent begleitet. Wie auch Beate Vogt. Sie stattet die Bühne hauptsächlich mit einem langen Tisch aus, der gleichzeitig auch Bühne ist. Das funktioniert gut.

Am Ende trauert Marlene wieder. Und singt direkt vor dem Publikum „Sag mir, wo die Blumen sind“. Leicht kitschiger, aber hochemotionaler Abschluss eines gelungenen Abends. Zu Recht minutenlanger Applaus und stehende Ovationen.

Marco Mach
Sächsische Zeitung
10.11.2013

Kassenöffnungszeiten in Görlitz & Zittau

Dienstag bis Freitag 10:00–18:00 Uhr
Samstag 10:00–12:30 Uhr

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