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Foto: Pawel Sosnowski

»Die 7. Geisterstunde - Die Rückkehr des tollen Junkers« - Rainer Kasselt - Sächsische Zeitung

Flieht, ihr Narren!

Mit einem famosen und spannenden Spuk-Spektakel eröffnet die Waldbühne Jonsdorf ihre Sommersaison.

Der Tod geht um im Zittauer Gebirge. Hexen und Kobolde treiben mit Entsetzen Scherz. Werwölfe, Untote und Geister kommen hinter Felsen hervor. Ein unheimlicher Reiter trägt den Kopf verkehrt herum und jagt durch den nächtlichen Wald. Hereinspaziert in die Waldbühne Jonsdorf! Mit dem Spektakel „Die 7. Geisterstunde – Die Rückkehr des tollen Junkers“ begann am Sonnabend die Opern-Air-Saison. Zwanzigmal zeigt das Ensemble des Zittauer Gerhart-Hauptmann-Theaters das zweistündige Stück, das Axel Stöcker im Auftrag des Hauses schrieb. Die Premiere wird vom Publikum minutenlang gefeiert.

Spätes Mittelalter in der Oberlausitz. Die Menschen glauben an Gott und Gespenster. Ein Trupp von Schauspielern macht ein bescheidenes Geschäft daraus. Sie ziehen von Ort zu Ort, gaukeln in bedrohlichen Kostümen den Bewohnern Spuk und Schrecken vor. Gegen ein geringes Entgelt geben sich die Schauspieler zu erkennen und erlösen die Menschen von dem Übel. Doch in Zittau stiehlt ihnen ein Konkurrent die Show. Dem werden wir die Suppe versalzen, schwören die Gaukler. Sie geben sich als Geisterjäger aus und hören nicht auf den Rat einer Seherin: „Flieht, ihr Narren!“

Die Truppe bekommt es mit einem wirklichen Gespenst zu tun, dem tollen Junker. Die Figur geht auf die Sage von einem geldgierigen Zittauer Ratsherren zurück. Im Stück ist er mit dem Teufel im Bunde und terrorisiert die Stadt. Alle drei Jahre taucht er in Zittau auf und entführt sieben Kinder, die ihm als Opfer gebracht werden. Die Schauspieler, angeführt von Acis und Galatea, sind fassungslos, dass die Menge dem Kinderraub tatenlos zusieht. Sie beschließen, dem Verbrechen ein Ende zu bereiten. Dazu fasst die kluge Galatea einen todsicheren Plan, wie Egon von der Olsenbande. Ehe der Plan aufgeht, müssen Pfarrer und Bürgermeister enttarnt werden. Sie sind die Trittbrettfahrer in dieser schändlichen Geschichte. Die Kirche hat bekanntlich einen großen Magen. Der Pfarrer fleht zum Herrn und ist doch der Satan selber. Er bestimmt unter frommen Sprüchen jene Kinder, die geopfert werden. Wer genug in die Kirchenkasse zahlt, wird davon befreit. Es ist wie immer im Leben: Die Armen sind arm dran und können für die Seelen ihrer Kinder nur beten.

Die famose und fantasievolle Inszenierung des Spektakels besorgt die Intendantin selber. Dorotty Szalma spart nicht an Menschen, Pferden und Maschinen, nicht an Schwert- und Prügelkämpfen. Die Regisseurin bewegt bis zu 50 Personen auf der Bühne, stimmig besetzt bis in die kleinste Statistenrolle, gut geführt und glänzend choreografiert. Jeder Opfergang beginnt mit dem dunklen Chorgesang der willigen Bürger: „Nebeldunst und dumpfe Schritte – Einer geht aus uns’rer Mitte.“ Das Kind wird unter ein riesiges Kreuz gestellt, Glocken und Trommelschlag erklingen, das Kreuz lodert in Flammen auf. Die Beschwörung ist vollbracht, und der Junker holt sich das Kind. Die Szene wiederholt sich, wie es die böse Sieben verlangt. Geschickt werden in die spannende Handlung witzige Elemente und lokale Anspielungen eingebaut. Gelächter im Publikum, als eine Akteurin sagt: „Warum sollte ich aus Zittau wegziehen?“ Oder wenn gefordert wird: „Einen besseren Betreuungsschlüssel für die Stadt.“

Ausstatterin Gretl Kautzsch hat Kostüme im Stil der Zeit entworfen. Die Bühne gleicht einem mittelalterlichen Freiluftmuseum. Schuster fertigen Schuhe, Tischler Holzkreuze und Schmiede Schwerter. Frauen flicken Netze, klopfen Teppiche und stampfen Butter. Das Ensemble sprüht vor Spiellust, ist mit vollem Körpereinsatz bei der Sache. Jeder Schauspieler verdiente es, mit Namen genannt zu werden. Hut ab vor den Statisten und Kindern, die wesentlich zum Erfolg der Aufführung beitragen. Maria Weber ist als Galatea geschwind zu Pferde, gewandt mit dem Säbel und geschickt mit dem Wort. Ihren Plan erläutert sie im Bild eines Fußballspiels, mit Abwehrkette und Pass in den Raum, damit die Männer verstehen, was Sache ist. Ihren Bruder Acis, der sich in eine geheimnisvolle Blonde verknallt, nennt sie „verliebter Vollidiot“. Den spielt entschlossen und furchtlos Stephan Bestier. Er droht dem Junker und kämpft mit Armbrust und bloßen Fäusten gegen den Unhold. Mit vereinten Kräften aller Bürger und – extra betont – aller Bürgerinnen wird der Junker am Ende wie Don Giovanni in die Hölle geschickt.

Liebe Leser und Leserinnen, vergessen Sie Rathen und die Felsenbühne. Besuchen Sie Jonsdorf und erleben ein wundervolles Sommerspektakel. Sie sitzen selbst bei Regen im Trocknen, denn die Waldbühne ist mit einem Zelt überdacht. Davon können sie in Rathen nur träumen.‎

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