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Foto: Marlies Kross

Musiktheater: »Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg« - Jens Daniel Schubert - Sächsische Zeitung

Kompromisslos in den Untergang

Das Görlitzer Theater wagt das Großprojekt "Tannhäuser". Leider fehlten Regie-Ideen.


Tannhäuser steht zwischen zwei Frauen: Venus, die Göttin der Liebe, einerseits. Die Heilige Elisabeth von Thüringen, die Ikone der Tugendhaftigkeit, andererseits. Der Sänger im Spannungsfeld von Dionysischem und Apollinischem – darunter macht es Wagner nicht. In Görlitz, wo Richard Wagners große romantische Oper am Sonnabend Premiere hatte, ist es ein wenig anders. Venus und Elisabeth werden von der gleichen Sängerin gesungen. Die Inszenierung führt zusammen, was der Komponist ausdifferenziert hat. Das ist keine neue Idee, aber sie kann spannend sein.

„Tannhäuser“ in Görlitz ist eine Herausforderung. Ganz große Oper im kleinen Haus, breit angelegte Musik mit schmalem Etat, hochspezialisierte Gesangsaufgaben für Sänger, die auch Musical und Operette können müssen. Rechtfertigt der Wunsch, ein solches Stück auch einmal hier zu spielen, die Kompromisse?

Die ersten Takte der Ouvertüre verhießen, dass eine Herausforderung eben auch beeindruckende Qualitäten zutage fördert. Die Neue Lausitzer Philharmonie unter ihrem Chefdirigenten Andrea Sanguineti setzte im Laufe des mehr als dreistündigen Opernabends immer wieder solche klangvollen Akzente, fand zu begeisternd schönen, eindringlichen Momenten. Dabei ist unbedingt auch der Chor zu nennen. Auch in den Solorollen gab es Glanzlichter. Gerade das Ensemble der Minnesänger war differenziert und harmonisch im Klang, Stefan Bley gab einen rundum überzeugenden Landgrafen. Patricia Bänsch spielte als Venus verführerisch mit ihren Reizen, steigerte sich stimmlich als Elisabeth, setzte selbstbewusst Akzente, kämpfte für Tannhäuser, der ihr das Herz gebrochen hatte.

Venus als Muse des Künstlers, Elisabeth als dessen Maßstab und Ziel, die Bilder sind eindeutig. Leider fehlten der Regie von François de Carpendries die Ideen. Auch die Ausstattung von Karine Van Hercke war nicht mehr als ein dekorativer Rahmen für eine wenig inspirierte Inszenierung. Mit deckenhohen Bücherregalen, herumliegenden Notenblättern und Kostümen des 19. Jahrhunderts holte sie die Geschichte aus der Sagen- in die Erlebniswelt Wagners, thematisierte Kunst und Künstler, blieb aber bei der Zusammenführung der beiden Frauen auf der Strecke.

Dass Tannhäuser im Sängerkrieg für sein großes Loblied auf die lusterfüllte Liebe ein Venusdouble als Motivation benötigt, belegt das Scheitern der Regie am konzeptionellen Ansatz. Regisseur de Carpendries reichert die Aufführung zusätzlich mit schwer enträtselbaren, quasi allegorischen Figuren an. Das lenkt zwar von der Quintessenz der Geschichte, nicht aber von ihrer mangelhaften szenischen Bewältigung ab. Allerdings ist Franco Farina als Tannhäuser auch kein beweglicher Darsteller. Er bleibt sehr stark auf das Gesangliche konzentriert und erreicht selbst da hörbar seine Grenzen. Im Gegensatz dazu ist Ji-Su Park ein Wolfram von Eschenbach, der bei jedem Ton überzeugt.

Elisabeth stirbt, Tannhäuser geht unter – kompromisslos. Der „Tannhäuser“ in Görlitz hingegen bleibt ein Kompromiss. Dabei ist im Wagnis des Großen immer wieder Erstaunliches zu hören.

Wieder am: 24.3., sowie 1., 6. und 13.4., Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz

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