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Sharing Europe - Wie viele Grenzen verträgt Europa?

Podiumsdiskussion mit Uwe-Karsten Heye, Olga Tokarczuk, Najem Wali

 
Unter dem Motto Sharing Heritage hat die Europäische Kommission das Jahr 2018 zum Europäischen Kulturerbejahr ausgerufen. Der englische Titel soll den gemeinschaftlichen und verbindenden Charakter des kulturellen Erbes Europas unterstreichen, eines Erbes, das allen gehört und für das wir gemeinsam die Verantwortung tragen. Doch wie verhält es sich zurzeit mit Europa als Kulturraum, als politisches Konzept und gesellschaftlicher Auftrag? Für welche Werte steht der alte Kontinent? Sind wir bereit, für seine Werte einzustehen und ihn mit anderen zu teilen?

Die Diskussion um die Aufnahme von Geflüchteten, die seit der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 in vielen Ländern Mittel- und Osteuropas geführt wird, löste nicht nur eine Anti-Migrationsdebatte aus, sondern eine regelrechte Hetze gegen das Fremde und das liberale Denken schlechthin. Sie brachte Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Polen auf Konfrontationskurs mit der Europäischen Union. Beginnt das Bild Europas als Festung liberaler Demokratien vor unseren Augen zu bröckeln? Gewinnt der Nationalismus an Macht und Einfluss?

Unsere Gäste – Uwe-Karsten Heye und Najem Wali – haben in ihren Heimatländern Krieg und Flucht erfahren. Sie waren Vertriebene und Schutzsuchende, heute setzen sie sich für Menschen ein, die – wie einst sie selbst – auf der Suche nach einer neuen Heimat sind. Olga Tokarczuk steht mit ihrem literarischen Werk der aktuellen polnischen Geschichtspolitik mit ihrer Hinwendung zum Nationalen entgegen. Als sie nach der Veröffentlichung ihres letzten Romans Księgi Jakubowe (erschienen 2015, bisher ohne deutsche Übersetzung) Kritik am Kurs der polnischen Regierung übte und sich für ein weltoffenes Polen aussprach, bekam sie es in ihrer Heimat Polen mit Hasstiraden und Morddrohungen zu tun.

Mit diesen Gästen möchten wir über die Gegenwart Europas diskutieren, über Grenzen, die zwischen Ländern verlaufen und auch jene zwischen Menschen, über Grenzen des Sagbaren und Machbaren, über Grenzen der Toleranz und die des gegenseitigen Respekts.

Uwe-Karsten Heye, in Reichenberg (heute Liberec) geboren, Journalist, arbeitete als Redenschreiber für Willy Brandt, Regierungssprecher von Gerhard Schröder sowie als Autor für ARD und ZDF. Seine Erinnerungen an Flucht und Nachkriegszeit Vom Glück nur ein Schatten wurden unter dem Titel Schicksalsjahre mit Maria Furtwängler verfilmt. 2000 gründete Heye den Verein Gesicht zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland, dessen Vorsitzende er ist. Im März 2018 erscheint seine Autobiographie Und nicht vergessen.

Olga Tokarczuk, in Sulechów geboren, ist Psychologin und Schriftstellerin. Ihre Bücher wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. mit mehreren NIKE-Preisen, dem Usedomer Literaturpreis und dem Internationalen Brückepreis der Europastadt Görlitz-Zgorzelec. Auf Deutsch erschienen bisher u.a. die Romane Taghaus, Nachthaus (2001), Spiel auf vielen Trommeln (2006), Unrast (2009) und Der Gesang der Fledermäuse (2011). Der letztere Roman wurde 2017 von Agnieszka Holland unter dem Titel Die Spur verfilmt.

Najem Wali, im irakischen Basra geboren, flüchtete 1980 nach Ausbruch des Iran-Irak-Kriegs nach Deutschland. Er war lange Zeit Kulturkorrespondent der arabischen Tageszeitung Al-Hayat und schreibt regelmäßig u. a. für die Süddeutsche Zeitung, die Neue Zürcher Zeitung, die taz und den Spiegel. Er veröffentlichte zahlreiche Romane und Erzählungen. Zuletzt erschien Die Balkanroute. Fluch und Segen der Jahrtausende (2017) und Saras Stunde (2018).

Moderation: Dr. Weronika Priesmeyer-Tkocz, Europäische Akademie Berlin
Sprachen: DE und PL, simultane Übersetzung von Piotr Żwak
Eintritt: frei
Ort: Synagoge Görlitz, Otto-Müller-Straße
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  • 19:00
  • Synagoge Görlitz
 

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