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    Mike Altmann
    Nach diesem Auftritt sitzend zu applaudieren, wäre endgültige Resignation vor dem Alter. Und so standen die, die es noch können und bejubelten die Tanzcompany des Gerhart-Hauptmann-Theaters in Görlitz nach der Premiere von „De Fesche Mode“. Es geht um Moden, Anpassung, Dazugehören. Dass man nicht jedem Modetrend folgen muss, zeigte das Publikum, das sich mehrheitlich in lässiger Lausitzer Haute Couture gewandet in die Uraufführung begab. Für Görlitzer Verhältnisse erstaunlich jung, gut gelaunt und zahlreich. Zeige mir eine Provinzstadt, in der modernes Tanztheater einen großen Theatersaal bis in die Ränge rauf füllt. Ergebnis unermüdlicher Arbeit der Tanzcompany und seiner kreativen Köpfe Dan Pelleg und Marco E. Weigert.

    In „De Fesche Mode” darf das Körperbeherrschungskollektiv seinen Affen Süßstoff geben. Ob in High Heels oder bei der Evolution der Jeans von der Vollhose zum löchrigen Nichts. Sie tanzen, springen, rollen und rutschen auf Tischen aus glänzendem Metall. Geht es im ersten Teil noch recht gemächlich zu, zieht das Stück das Tempo nach der Pause an – und die Tänzer aus. Männerhintern zur Primetime. De Fesche Mode hat das Zeug zum Skandal. Schließlich macht es sich auch über die gute alte Oper lustig. Das Publikum johlte vor Freude über die Verballhornung der ernsten Muse in einer dreiminütigen Parodie.

    Nein, dieser Tanzabend ist keine Burleske. Wir, also die feine Gesellschaft, bekommen einen Spiegel vorgehalten. Was wir darin sehen, hängt vom jeweiligen Wollen ab. Wie ein roter Faden zieht sich sacht Musik von Depeche Mode durchs Nachdenkstück. Als Fan mag man sich ein, zwei Hits mehr wünschen. In diese seichte Falle tappen Weigert und Pelleg aber nicht. Und in Sachen Musikauswahl macht ihnen ohnehin kaum jemand was vor. Keine Ahnung, wo sie den „Personal Jesus“ mit arabischem Akzent aufgetrieben haben. Ich jedenfalls kann davon nicht genug bekommen. Und ihr hoffentlich auch nicht. Geht in „De Fesche Mode“, lasst euch treiben und mitreißen in eine Welt, die wir gemeinsam besser machen können.
    (26.01.2020 - 17:23 Uhr)

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