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Michael Kohlhaas

Schauspiel nach der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist
Eine halbe Stunde vor Stückbeginn findet eine Stückeinführung auf der Empore im Foyer statt.
Aktuell nicht im Programm
„An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Roßhändler, namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit.“ Michael Kohlhaas muss zwei seiner edlen Pferde an einer Grenzstation zurücklassen. Von ihm werden Papiere verlangt, die er bei seinen bisherigen Reisen zwischen Brandenburg und Sachsen noch nie vorweisen musste. Als er die Tiere auslösen will, findet er sie halbverhungert und zerschunden wieder. Kohlhaas fordert Schadensersatz. Doch dieser wird ihm wieder und wieder verwehrt. Zunehmend verengt sich sein Blick, eskaliert seine Gewaltbereitschaft. Was als Widerstand eines wehrlosen Bürgers auf der Suche nach Gerechtigkeit beginnt, endet in einem Blutbad.

Gibt es ein Recht auf Widerstand gegen die Staatsgewalt, wenn der Staat den Gesellschaftsvertrag von seiner Seite aus bricht? Wo beginnt und wo endet dieses Recht? Ist Kohlhaas ein Rebell, der sich von der Obrigkeit nicht unterdrücken lässt? Oder ist seine schrittweise Radikalisierung ein Weg in einen Terror, der vor nichts mehr zurückschreckt? Ist er Freiheitskämpfer oder Terrorist? Held oder Mörder? Kleists Novelle aus dem Jahre 1808 fällt kein Urteil, sondern irritiert uns bis zum Schluss mit wechselnden Perspektiven.‎
Besetzung
Es spielen

Kohlhaas/­Chor
Aleksandra Kienitz, Martha Pohla, Xenia Wolfgramm, Marc Schützenhofer, Philipp Scholz, Paul-Antoine Nörpel

Lisbeth/­Junker
Martha Pohla

Herse
Aleksandra Kienitz, Philipp Scholz, Paul-Antoine Nörpel

Luther/­Stadthauptmann/­Amtmann/­Kämmerer/­Freiherr
Marc Schützenhofer

Kurfürst von Sachsen
Paul-Antoine Nörpel

Schlossvogt/­Hausmann
Philipp Scholz

Nagelschmidt/­ Junge/­Knecht/­Kurfürst von Brandenburg
Aleksandra Kienitz

Äbtissin
Xenia Wolfgramm

Wahrsagerin
Blanche KommerellMartha Pohla/­N.N.

Kohlhaasʻ Kinder
Paulina Bourree, Karl-Georg Rößler, Lena Körner, Rosaleen Reitz, Mathilde Haasler

Rappen
Xenia Wolfgramm, Aleksandra Kienitz, Paul-Antoine Nörpel,
Marc Schützenhofer
Regie & Ausstattung

Regie
Ingo Putz

Ausstattung
Sven Hansen

Dramaturgie
Theresa Selter

Sprechtraining
Blanche Kommerell


Regieassistenz
Vojtech Rydlo

Soufflage
Paulina Bourree

Inspizienz
Uwe Körner
Bewertungen & Kommentare
Die Inszenierung empfinde ich als gelungen. Für jeden, der ernstere Stücke mag und sich auf Theater mit minimalistischen Mitteln einlassen kann, halte ich GHTs Kohlhaas für geeignet. So minimalistisch war es allerdings dann doch nicht, im folgenden beschreibe ich meine Sicht genauer. Daher: Wer sich überraschen lassen möchte, hört am besten jetzt auf, zu lesen.

Zurück zum Minimalismus: Das Publikum erlebt Schauspieler mit hoher Leistung, welche auf der Bühne die unterschiedlichsten Rollen einnehmen, zwischen mehreren ästhetischen Ebenen gekonnt hin- und herspringen und übrigens auch von der Aussprache/­ Artikulation her eine beeindruckende Leistung ablegen. Alles ganz ohne große Hintergrundbilder oder beeindruckende Requisiten. Die Chorpassagen sind sauber gearbeitet und machen hauptsächlich Spaß. Einige wenige Unstimmigkeiten gab es in der Aufführung, aber das nahm nicht den Drive heraus. Durch den weißen Vorhang, die Drehbühne und das sich öffnende Gitter zu Ende hin entstanden interessante Eindrücke. Kohlhaas wurde von jedem Ensemblemitglied gespielt. Was erst wie ein nichtiger Kunstkniff daher kam, passte dann aber doch recht gut zu der Zerrissenheit und Vielseitigkeit der Hauptfigur. Diese Darstellung fand ich sehr gelungen. Interessant auch die Szene mit seinem Diener ziemlich zu Beginn, gespielt von drei Schauspielern. Allerdings war es dem Stück an dieser Stelle nicht wirklich zuträglich und zeigte für mich persönlich keinen neuen Blick auf. Es war zwar interessant, aber eben auch nicht mehr, daher hätte ich die Szene gern mal mit nur einem Diener gesehen. Das Blut - Na ja, das ist sicherlich Geschmackssache. Für mich wirkte es etwas zu draufgedrückt.

Generell kann ich nur lobend erwähnen, dass auch mit Assoziationen hier sehr genau und exakt gearbeitet wurde, sodass durch die konkrete Darstellung klar war, wo man sich befand, wer zu sehen war oder auch, was rein der eigenen Assoziation dienen sollte.

Ich fand den Abend sehr gelungen. Über eine kleine Kürzung des Textes hätte ich mich trotzdem noch gefreut, das Hin und Her mit dem zerstörerischen Kohlhaas (Stuhlhaufenszenen) war dann doch etwas zu viel für mich, trotz der 90min- Lauflänge. Ebenso auch die weiteren Darsteller am Ende - einfach etwas zu viel. Die Schauspielerin der Wahrsagerin hatte es nicht leicht, denn von außen wirkt bei so einem Kammerstück jede weitere Person, die später eingeführt wird, irgendwie zu viel. Auch die Kinder zum Schluss - Mir hätte es gereicht, hätte sich einfach das Gitter geöffnet als Assoziation zum Totenreich, neue Welt oder wie auch immer. Das wäre stark genug gewesen. Die Szene davor, wo jeder in Kohlhaas Händen zerrinnt... So stark und beeindruckend! Umso schwieriger dann das Ende und die Hellseherin in der Höhe. Es wirkte eher etwas albern. Nicht durch schlechtes Schauspiel, es war gut gemacht! Dennoch passte es nicht so recht zum restlichen Stück. Die Drehbühne wurde für meinen Geschmack etwas zu oft benutzt. Dennoch halte ich das Stück trotz meiner Meckereien für gut gearbeitet! Geschmack ist ja bekanntlich verschieden, die Partyszene (Wein von Mund zu Mund) war mir zum Beispiel viel zu eklig, als dass ich es für dss Stück zuträglich fand. Aber trotz alledem: Eine beeindruckende Leistung aller Parteien.
Sehr gute Aufführung und das Stück passt erschreckend gut in unsere Zeit obwohl der Text von Kleist über 200 Jahre alt ist. Schade das es nicht eine Möglichkeit gibt über das Stück zu sprechen oder Fragen zu stellen, vielleicht nach der Aufführung oder online? Die Intention die "Twisted Nerve" Melodie aus Kill Bill von Tarantino zu verwenden hätte mich interessiert.
Es ist einfach nur beeindruckend, wie in diesem Stück mit den Sinnen gespielt wird. Mein größter Respekt an alle Beteiligten!
Besonders beeindrucken fand ich persönlich aber das Spiel zwischen Philipp Schloz und Martha Pohla. Sehr ergreifend und authentisch.

Es ist einfach nur beeindruckend, wie in diesem Stück mit den Sinnen gespielt wird. Mein größter Respekt an alle Beteiligten!
Besonders beeindrucken fand ich persönlich aber das Spiel zwischen Philipp Schloz und Martha Pohla. Sehr ergreifend und authentisch.

Kohlhaas 2023 - ein Aufschrei, der mit dem Vibrieren der Seele beginnt.
Diese hervorragende Inszenierung ist anstrengend und herausfordernd. Doch jede Minute lohnt. Wer Kleists Sprache schätzt, wird begeistert sein. Hier wird episches Theater neu definiert. Wer sich als Zuschauer mitnehmen lassen möchte, wird bewegt und erfährt mit allen Sinnen: Rechtgefühl! Ein theatralisches Kammerspiel , das in unsere Zeit passt und tief berührt. Was Wahn-Sinn ist, wird greifbar. Danke!
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Mit freundlicher Unterstützung
Gastspielreise nach Kanada gefördert durch SO GEHT SÄCHSISCH

 
 
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