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Kein dumpfer Revisionismus vor unserem TheaterDas Gerhart-Hauptmann-Theater steht für Frieden, Vielfalt und Toleranz

In der Spielzeit 2022/­2023 beschäftigen wir uns unter dem Motto „Deutschland, Deutschland!“ mit vielen kritischen Fragen zu Nation, Geschichte und dem Selbstverständnis unseres Staates. Zu diesem Selbstverständnis gehört die Meinungsfreiheit und die Demonstrationsfreiheit – beides sind hohe Güter einer Demokratie, die es zu respektieren gilt. Teil dieses Respektes ist auch, Meinungen auszuhalten, die man nicht teilt, ja die man vielleicht sogar für dumm hält.

Doch es gibt Momente, da ist auch für weltoffene Demokraten eine solche Toleranz nur schwer aufzubringen. Wenn vor unserem Haus in Zittau eine Demonstration mit Fackeln stattfindet, bei der ‚das Lied der Deutschen‘ gesungen wird und der Tag der Kapitulation der Wehrmacht in Stalingrad als Anlass genommen wird, um vorgeblich für den Frieden zu ‚kämpfen‘, dann können wir als Künstler und Intellektuelle nicht schweigen, denn wer vorgibt, den Frieden zu preisen, aber die Bildsprache und Symbolik von Faschisten benutzt, der sät Hass, heuchelt und bereitet den Boden für neue Gewalt.

Das Gerhart-Hauptmann-Theater setzt sich in diesem Frühjahr ganz intensiv mit der Geschichte der Machtergreifung in unserer Region auseinander. Gemeinsam mit vielen weiteren Institutionen, den Zittauer Museen, dem Schloss Hainewalde, der Hillerschen Villa und anderen, wollen wir beleuchten, wie es zu diesen Ereignissen kam, wie sie sich in der Region vollzogen haben. Unser Theater wurde 1936 von den Nationalsozialisten als sogenanntes Grenzlandtheater erbaut. Wir werden es in unserer Inszenierung Grenzlandtheater unter die Lupe nehmen und seine faschistische Geschichte aufarbeiten.

Es darf und wird nicht kommentarlos als Kulisse dienen für diejenigen, die das Rad der Zeit zurückdrehen wollen. Wir reagieren mit stillem künstlerischem Protest auf diese Versammlung und distanzieren uns von dem Gedankengut, das bei der Versammlung zum Ausdruck kommt. Unser Theater und unsere Stadt stehen für Vielfalt, Toleranz, Offenheit und Meinungsvielfalt. Deshalb rufen wir den Organisatoren und Teilnehmern mit Erich Kästner zu: „Dreht an der Uhr! Die Zeit hält niemand auf! Nur eure Uhr wird nicht mehr richtig gehen.“

Dr. Daniel Morgenroth
Intendant

Ingo Putz
Schauspieldirektor
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