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Lepanto in Zittau

oder DAS MEER LEHRT DIE MÖWEN, DEN FISCH VOM KOPF HER ZU VERSCHLINGEN
URAUFFÜHRUNG | Schauspiel von Gerhard Zahner
Sonntag15.02.
  • 19:00 Uhr
  • Dauer: 1 Stunde 20 Minuten ohne Pause
  • Haus Zittau Hinterm Eisernen Vorhang
  • Schauspiel
  • iCalendar

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Zwei Männer tauchen. Sie sinken hinab in die Tiefe des Meeres. Ein Türke und ein Grieche. „Wo ist die Schlacht von Lepanto?“ fragt der eine. – „Der Tauchlehrer sagte, seine Karte wüsste es“, antwortet der andere. „Vielleicht war er ein Angeber.“ Tiefer. Sie müssen tiefer tauchen. Immer tiefer, hin-unter in den Friedhof im Meer, den Friedhof einer Schlacht groß wie eine Stadt. 40.000 Männer, manch einer meint, es seien einhunderttausend gewesen, starben damals, am 7. Oktober im Jahr 1571, als die Flotte der „Heiligen Liga“, der christlichen Allianz der Spanier, des Papstes und der Venezianer, vor dem Eingang des Golfs von Patras die zahlenmäßig überlegene und für unbesiegbar geltende Flotte des Osmanischen Reiches vernichtete. Sie versanken in den Fluten, wie die hunderte Schiffe samt ihren Kanonen, den Waffen, dem Glanz und dem Gold. Es war ein sonniger, windstiller Tag, das Ionische Meer spiegelglatt, der Himmel blau. Lepanto heißt heute Nafpaktos, und dies alles scheint von Zittau sehr weit weg.

In Lepanto in Zittau schickt Gerhard Zahner die beiden Männer als Schatzsucher ins Meer hinab. Sie suchen die Überreste der Schlacht, das Gold, Turbane, Säbel, Pfeilspitzen, Armbänder, Amphoren. Und finden Joghurtbecher, eine Puppe, die linke Hand des Dichters Cervantes und den heutigen Tod im Mittelmeer. Sie wühlen im Sand. Sie begegnen Flüchtlingen, stellen sich immer wieder den Kampf und das Sterben vor. Geraten sich wegen der Geschichte ihrer Länder, wegen Zypern, wie ihre Vorfahren einst beinahe selbst in die Haare. Gewaltig und poetisch. Sie suchen für uns.
Neugierig auf diese Inszenierung? Sichern Sie sich Ihren exklusiven Einblick beim Besuch der öffentlichen Probe (klicken für mehr Infos).
Besetzung
Es spielen

Türke
Marc Schützenhofer

Grieche
Philipp Scholz

Ein Schwarzer/­Charon
Jonas Maria Lubisch
Regie
Charlotte Sofia Garraway

Ausstattung
Lina Marie Mayer

Dramaturgie
Martin Stefke
Regieassistenz
Paula Gehring

Inspizienz
Estella Probst

Soufflage
Merlin-Felice Gläsner
Kritiken und Pressestimmen
„In der Regie von Charlotte Sofia findet das Spiel erst über den Zuschauern statt, dann zum Greifen nah um sie herum. Die Bewegung der Zeiten und des Meeres wird auch körperlich erlebbar, wenn Szenerie und Publikum mit der Drehbühne fahren. Das ist atmosphärisch überzeugend und reiht sich in die Idee von einem immersiven Theater, in das das Publikum eintaucht, die sich durch die zu Ende gehende Intendanz von Daniel Morgenroth am Gerhart-Hauptmann-Theater zieht.“
Marcel Pochanke, Sächsische Zeitung

„Der Abend bemüht sich um Immersion, indem er das Publikum mit starken Bildern in die Welt des Stücks hineinzieht. (...) die bildstarke Umsetzung überzeugt – insgesamt ein gelungener Theaterabend.“
Stefan Petraschewsky, MDR Kultur
Bewertungen & Kommentare
Eine Uraufführung in Zittau- ein Drama.
Ich sitze auf der Drehbühne und bin eigentlich unter dem Meer, bin Taucher, suche nach Schätzen aus einer der größten Seeschlachten der Geschichte, 40.000 Tote an einem Tag... Eigentlich erwarte ich die Entdeckung eines Goldschatzes... Nur ein "Geist" stört... Eine Tür geht für mich gedanklich auf, alles ist anders als vorher, eine beklemmende Wirklichkeit im Mittelmeer "stört" auf einmal die wunderbare Unterwasserwelt, die Hoffnung auf einen Schatz. Der Geist führt mich zu jetzigen Schicksalen, eine Puppe wurde gefunden, das Kind, in dessen Hand die Puppe gekuschelt wurde ist in der Unmenschlichkeit unserer "Grenzen-Zeit" ertrunken...
Eigentlich eine erschütternde Nachricht für uns als Mittelmeerurlauber-ich bin so gerne im Mittelmeer schwimmen, baden gegangen...
Aber alles hat einen Preis, muß gezahlt werden. Bin ich unschuldig, wenn ich wegsehe, oder engagiere ich mich gegen den tausendfachen Tod im Mittelmeer, im Schwarzen Meer...?
Absolut sehenswert, die Bühne ist genial gestaltet, die "Taucher" öffnen ein Thema, nehmen mich mit in die Geschichte. Der "Geist" überzeugt durch eine wunderbare, ruhige, nicht anklagende Sprache und Stimme! Selten habe ich so ein packendes Drama gesehen, es fordert mich zum handeln auf. Ganz Zittau, ganz, Sachsen, Deutschland und auch Europa sollte sich für dieses Theaterstück Zeit nehmen. Danke für diese wunderbare, nicht ganz leichte Produktion!
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