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VolkseigenTon

Ragna Schirmer, Axel Ranisch und Matthias Daneck
Donnerstag10.12.
  • 19:30 Uhr
  • Dauer: 1 Stunde 30 Minuten mit Pause
  • Haus Görlitz Großer Saal
  • Gastspiel
  • iCalendar
Hatte die DDR einen eigenen Ton?
Wie politisch können musikalische Kompositionen sein?
Welche Bilder zeichnet die Lyrik, welche Ideale spiegeln sich darin, welche Zukunftsvisionen leuchten auf?

Pianistin Ragna Schirmer, Schlagzeuger Matthias Daneck und Schauspieler, Regisseur und Autor Axel Ranisch zeigen in Wort und Musik, wie im Spannungsfeld von Anpassung und heimlicher Kritik Dissidenz entsteht und konforme Kunst gleichzeitig die zersetzende Macht von Unrechtsstaaten entlarven kann.
Bekannte Namen wie Paul Dessau, Friedrich Goldmann, Bertolt Brecht, Thomas Brasch, Sarah Kirsch und Eva Strittmatter treffen auf bislang kaum Gehörtes. Die Gegenüberstellung von dezenter bis offener Regimekritik und offiziellen Parolen, von avantgardistischen Klängen und angepassten Melodien macht deutlich, wie Künstlerinnen und Künstler zwischen Regimetreue und Widerstand navigierten. Daneben zeigen Gedichte über Alltag, Kindheit oder das Vergehen der Jahreszeiten die Alltäglichkeit des Privaten voller Sehnsüchte, Sorgen und Erinnerungen und geben der Zusammenstellung eine intime menschliche Dimension.

Das Programm wirft einen streitbaren Blick auf das Ringen zwischen Sehnsucht nach Normalität, Unterordnung und Aufbegehren von 1949 bis 1990 – und fordert heraus, angesichts heutiger Krisen die Rolle von Kunst in der Gesellschaft zu reflektieren.
Das Programm zum Download
Foto 1: © Dennis Pauls
Foto 2: © David Schönhaus
Foto 3: © Maike Helbig

AXEL RANISCH
Geboren 1983 in Berlin Lichtenberg, als dickes Kind zweier Leistungssportler, hegt Axel anfangs eine kritische Distanz zum Medium Film. Erst 2002 ändert sich diese Haltung schlagartig durch seinen ersten Kurzfilm, der aus einem Versehen heraus entsteht. Fortan realisiert Axel Filme in Akkordarbeit und in den sieben Folgejahren entstehen etwa 80 Kurzfilme in Eigenregie und einige weitere auch als Darsteller, Autor, Filmkomponist oder Cutter. Von 2004 bis 2011 studiert er an der HFF „Konrad Wolf“ Potsdam Babelsberg Regie bei Rosa von Praunheim, Andreas Kleinert und Helke Misselwitz. Axel bleibt seinem Stil treu und macht Filme mit Herz, Musik und Humor, am liebsten ohne Drehbuch und auf Grundlage von Improvisation. Axels Filme sind seit 2002 auf unzähligen kleinen und großen Filmfestivals unterwegs und werden immer wieder mit Auszeichnungen bedacht. 2011 gründet Axel mit seinen Kommilitonen Dennis Pauls und Anne Banker, sowie dem Schauspieler Heiko Pinkowski die Produktionsfirma "Sehr gute Filme". Neben Filmen für die Kinoleinwand dreht Axel auch fürs Fernsehen. Darüber hinaus inszeniert er Opern und hat gerade seinen ersten Debütroman "Nackt über Berlin" im Ullstein Verlag veröffentlicht.

MATTHIAS DANECK – DRUMS PERCUSSIONIST COMPOSER
Der Schlagzeuger Matthias Daneck hat nach seinem Studium an der Swiss Jazz School und am Konservatorium Bern mehrere Studienaufenthalte in New York bei Joe Morello, Kenny Washington und John Riley an der Manhattan School of Music verbracht. Er ist Bandleader und Komponist bei Matthias Daneck's N.O.W. und der "instant loop generation" und trommelt unter anderem auf dem ganzen Globus bei Ute Lemper, beim Anne Czichowsky Quintet, dem South Quartet, bei Ragna Schirmers Händel Projekt und war Organisator der erfolgreichen "Jazz cooks"-Serie. Er hatte Engagements mit Jazzgrössen wie Randy Brecker, Clarke Terry, Jerry Gonzales, Jimmy Woode oder Bireli Lagrene und ist bisher auf mehr als 70 CD-Produktionen zu hören. Konzerttourneen führten ihn in letzter Zeit nach Russland, Australien, Spanien, Türkei, Belgien und Litauen und man konnte ihn im Fernsehen bei der ARD und im MDR erleben. Er ist Preisträger beim internationalen “Concours d’orchestres” des Jazzfestivals Vienne (F).
Daneck ist ein melodiöser Schlagzeuger, dem „Leisespielen“ absolut kein Fremdwort ist, und wegen seiner Kreativität und Vielseitigkeit in der europäischen Jazzszene sehr gefragt.
Seit 2019 ist er Artist Endorser von Bosphorus Cymbals.

RAGNA SCHIRMER – KLAVIER
Die preisgekrönte Pianistin Ragna Schirmer zählt zu den außergewöhnlichen Musikerpersönlichkeiten unserer Gegenwart. In ihren Interpretationen vereinen sich die Kunst der Nuance mit einer kompromisslosen Liebe zum Detail sowie einer großen Sensibilität für historische Bezüge.
Als Studentin erregte sie erstmals internationale Aufmerksamkeit, als sie nach dem Gewinn des Bachpreises beim renommierten Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb in Leipzig erneut ebendort antrat und den Preis als einzige Teilnehmerin in der Geschichte des Wettbewerbs zum zweiten Mal errang. Dieser Mut, das Ungewöhnliche zu wagen, wurde zum Leitmotiv ihrer Karriere. Dieses spiegelt sich etwa in dem unermüdlichen Bestreben wider, Musik nicht nur darzubieten, sondern auch zu vermitteln und die gängigen Konzertformate beständig weiterzuentwickeln. Ihre sorgfältig kuratierten und moderierten Solo-Programme reichen weit über übliche Gesprächskonzerte hinaus. Sie führen dorthin, wo Musik auf Geschichte, Wahrnehmung und Haltung trifft.
In ihrem neuesten Projekt Den Himmel im Herzen etwa behandelt Ragna Schirmer Leben und Werk der blinden Komponistin und Mozart-Zeitgenossin Maria Theresia Paradis. Das Publikum hört ein Konzert bei teilweise stark gedämmtem Licht und erlebt so, wie sich Klangwahrnehmung verändert, wenn das Sehen in den Hintergrund rückt.
Ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit von Ragna Schirmer liegt auf Lebenswerk und Wirkungskosmos der Clara Wieck-Schumann. Durch ihre Einspielungen Liebe in
Variationen, Clara und Madame Schumann sowie Hunderten von moderierten Konzerten mit rekonstruierten Originalprogrammen, zum Teil an Originalspielorten und auf Originalinstrumenten, hat sie nicht nur die Werke dieser Komponistin und Pianistin neu erfahrbar gemacht, sondern zugleich deren Rolle in der Musikgeschichte nachhaltig gewürdigt. Für ihr Engagement erhielt Ragna Schirmer den Schumann-Preis der Stadt Zwickau.
In spartenübergreifenden Projekten wie VolkseigenTon über DDR-Lyrik zwischen Dissidenz und Anpassung oder in einer Marionetten-Adaption des Triadischen Balletts von Oskar Schlemmer verbindet Ragna Schirmer Musik mit Literatur sowie darstellender und bildender Kunst. Das gemeinsam mit dem Puppentheater Halle entwickelte Stück Konzert für eine taube Seele über das Leben Maurice Ravels wurde in über zehn Jahren 125 Mal aufgeführt. Das Ballett Clara am Opernhaus Zürich, in dem Ragna Schirmer den Part der Klaviersolistin innehat, geht 25/­26 in die zweite Spielzeit. Mit dem Schlagzeuger Matthias Daneck entwirft sie im Duo PiaCussion Programme, in denen die rhythmische Dimension der Musik neu erlebbar wird: von Beethovens innovativen „Off-Beat“-Experimenten bis hin zu einer Klavier-Percussion-Version der Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgsky.
Ragna Schirmers Diskographie umfasst 19 CDs, 2 DVDs und 2 Vinyl-Einspielungen, die ihr facettenreiches künstlerisches Schaffen eindrucksvoll dokumentieren. Die Gesamtaufnahme der Klaviersuiten von Georg Friedrich Händel wurde mit dem ECHO Klassik sowie dem Händel-Preis der Stadt Halle ausgezeichnet.
Seit vielen Jahren arbeitet Ragna Schirmer intensiv als Pädagogin sowohl in der Hochbegabtenförderung als auch im Hochschulbereich. Über ihre Erfahrungen, Werte und Ansichten
schreibt sie mehrmals im Jahr KlavierKolumnen.
Seit dem Herbstsemester 2025/­2026 ist Ragna Schirmer Professorin für Klavier an der Zürcher Hochschule der Künste.
Besetzung
Axel Ranisch, Sprecher
Ragna Schirmer, Klavier
Matthias Daneck, Schlagzeug
Kritiken und Pressestimmen
„Auf der Bühne: eine Pianistin, ein Percussionist und ein Schauspieler. Was sich entfaltet, ist kein nostalgischer Rückblick auf die DDR-Kultur, sondern ein klug komponierter Gang durch vier Jahrzehnte Dichtung und Klang, durch Euphorie, Disziplin, Desillusionierung – und, in feinen Momenten, zarte Utopie."
Kölner Stadtanzeiger, 28.05.2025

„Die drei befreundeten Künstler eröffnen hier ein Kaleidoskop von sehr persönlichen Gedichten mit privaten Themen und politischen Liedern im Spannungsfeld zwischen Anpassung und Widerstand."
Radioeins, 18.11.2024

„Ranischs Stimme fühlt sich immer intensiv ein, macht sich nackt und schutzlos."
SWR, 29.10.2024

„1990 sah die Welt „die Epoche sinken“, wie es in dem mit dieser Jahreszahl betitelten Gedicht von Peter Hacks heißt. Was mit ihr sank, war auch ein „Sound“, den man in der ehemaligen DDR sicher ganz „undenglisch“ als „Ton“ bezeichnet hätte. Eine Brechung durch den Sprung vom Privaten ins Politische sorgt dafür, dass das Programm über flache „Ostalgie“ hinausragt."
Rondo Magazin, 02.11.2024

„Axel Ranisch, Ragna Schirmer und Matthias Daneck rühren mein Herz! Sie retten all die wunderbaren lyrischen Buchstabenblumen aus dem versunkenen Vineta namens DDR!"
Katharina Thalbach
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