Wozzeck liebt Marie, sie bekommen ein Kind; sie wendet sich von ihm ab. Am Ende bringt er sie um. Es ist eine vorhersehbare Tötung, Ergebnis eines schleichenden Verlustprozesses an Halt und Stabilität: Aus Kränkung wird Eifersucht, aus Eifersucht Raserei und diese hat tödliche Folgen.
Wozzecks Umwelt scheint blind für diese Veränderungen. Der Hauptmann hält ihm endlose Vorträge über Moral und verspottet seine Unwissenheit. Der Doktor benutzt ihn als Versuchskaninchen für groteske medizinische Experimente. Sein Freund Andres bleibt passiver Beobachter, unfähig, einzugreifen, Wozzeck in seiner Not zu helfen oder zu stabilisieren.
Alban Berg zeichnet in seiner im Dezember 1925 in Berlin uraufgeführten Oper Wozzeck ein erschütterndes Porträt von Menschen am unteren Rand der Gesellschaft. Besonders hier bilden Armut, soziale Abhängigkeit, psychische Überforderungen, engstirnige Moralvorstellungen und strukturelle Ungerechtigkeiten den Nährboden für Gewalt. Zwischen bitterer Komik und tiefster Tragödie taumelnd, verwandelt Berg das fragmentarische Drama Georg Büchners Woyzeck in ein geschlossenes Opernlibretto. Seine atonale Musik offenbart psychologische Prozesse und entfaltet dabei eine Ausdruckskraft, die sich trotz aller Modernität unmittelbar erschließt.